Mecklenburgisches Staatstheater : Viel Herz, Seele und Lebensfreude

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

30 Premieren und 20 Konzerte in der neuen Spielzeit am Mecklenburgischen Staatstheater. Der Vorverkauf für das Große Haus startet am 5. Juli

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16. Mai 2018, 12:00 Uhr

Bevor der verbale Premierenreigen über Pressevertreter und Freunde des Mecklenburgischen Staatstheaters hereinbrach, verkündete ein sichtlich gut gelaunter Generalintendant gestern im edlen Flotow-Zimmer des Schweriner Theaters, dass Aufsichtsrat und Politik mit der Arbeit seines Hauses sehr zufrieden seien. „Wir haben keine Existenzsorgen mehr“, so Lars Tietje fröhlich.

Dann präsentierten die Künstlerischen Leiter der sechs Sparten ihr Programm für die neue Spielzeit 2018/2019. Schauspieldirektor Martin Nimz stellt die Spielzeit seines Ensembles unter das Motto „Der Preis des Lebens“. Man wolle ausloten, welchen Einfluss gesellschaftliche Verwerfungen auf das Leben von Menschen haben und welchen Preis sie bereit sind zu zahlen.

Die Dramaturen hätten aber auch Zauber- und Wunderwelten über die neue Spielzeit schreiben könnten. Denn es wird viel gezaubert – in Shakespeares berühmtester Komödie „Ein Sommernachtstraum“, der ersten Inszenierung des Schauspiels im September, über das Familien- und Weihnachtsmärchen, den „Zauberer der Smaragdenstadt“ und „Dat Wunner von San Miguel“ der Fritz-Reuter-Bühne bis zu „Aschenputtel“, dem Wintermärchen des Jungen Staatstheaters Parchim.

Das Weihnachtsmärchen nach dem Kinderbuchklassiker von Alexander Wolkow inszeniert in bester Schweriner Tradition der Schauspielchef persönlich. Wie auch „Pelle der Eroberer“ nach dem ergreifenden Roman von Martin Andersen Nexø. Für andere Stücke konnte Martin Nimz erneut spannende Gastregisseure gewinnen, u. a. den jungen Griechen Sarantos Georgios Zervoulakos für „Frühstück bei Tiffany“ oder Sascha Hawemann für „Väter und Söhne“ nach dem Turgenew-Roman in einer Schweriner Bearbeitung. Auch die beliebte Schauspielerin Steffi Kühnert, die mit Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ und „Sein oder Nichtsein“ in Schwerin zu Recht gefeiert wurde, kehrt zurück und inszeniert im Großen Haus Arthur Millers „Hexenjagd“. „Das wird unser Beitrag gegen die im Moment so beliebten Russland-Beschimpfungen sein“, so der Schauspieldirektor. Über Büchners „Woyzeck“ im E-Werk dürften sich die Schulen freuen, und ein Mantel- und Degenstück wie „Cyrano de Bergerac“ passt natürlich ebenso gut in den Hof des Schweriner Schlosses wie „Dracula“ in diesem Jahr.

Den anderen Teil der Schlossfestspiele bestreitet auf dem Alten Garten dann der Fiedler auf dem Dach; nach großer italienischer Oper folgt also mit „Anatevka“ im kommenden Sommer erneut ein großes Musical. „Ein Stück mit viel Herz, Seele und Lebensfreude“, so Operndirektor Toni Burkhardt. Als erste Premiere des Musiktheaters kündigte er den Operettenklassiker „Im weißen Rössl“ an. Das Singspiel von Ralph Benatzky ist eine spartenübergreifende Produktion des Musiktheaters zusammen mit der Fritz-Reuter-Bühne, dem Ballett und der Staatskapelle. Mal sehen, wie im Hotel „Weißes Rössl“ am Wolfgangsee das Mecklenburger Platt klingt. Opernfreunde können sich auch auf den „Rosenkavalier“ freuen und die lange vergessene italienische Oper „André Chénier“, die inzwischen wieder an vielen Theatern gespielt wird.

Am 14. September 2018 eröffnet das Ballett mit „Andy – Superstar!“ in einer gemeinsamen Choreographie von Ballettdirektorin Jutta Ebnother und Orkan Dann die neue Spielzeit im Großen Haus. Die Tänzer schlüpfen dabei in die Rollen von Andy Warhol, Bob Dylan oder David Bowie. Auch Mick Jagger taucht auf und wird von einer Tänzerin dargestellt. Im zweiten Ballett „Geliebte Clara“ geht es um Clara Schumann und ihre Beziehungen zum Vater, zu Robert Schumann und Brahms. In „Move on!“ können sich dann Tänzer des Ensembles im E-Werk mit eigenen Choreografien präsentieren.

Generalmusikdirektor Daniel Huppert versprach gestern für die Sinfoniekonzerte der Staatskapelle große Klassiker, aber auch Ungewöhnliches wie ein Mozart-Klavierkonzert, gespielt auf dem Akkordeon. Neben sechs Kinder- und Familienkonzerten begleitet die Staatskapelle im Rahmen des Filmkunstfestes MV „Charlie Chaplins Goldrausch“ aus dem Jahr 1924 live im Großen Haus.

Die Fritz-Reuter-Bühne zeigt vier neue Inszenierungen, u.a. die Gangsterkomödie „Twei as Bonnie un Clyde“ oder „Grashüpper un Ameis“, „eine Komödie mit Tiefgang“, wie der Direktor der Fritz-Reuter Bühne ankündigte.

Das Junge Staatstheater Parchim steht nach dem Weggang fast aller Schauspieler vor einem Neuanfang. Intendant Thomas Ott-Albrecht will sich mit einem neuen Ensemble auch inhaltlich neu orientieren. Schwerpunktinszenierung ist in Parchim das Jugendstück „Trau dich!“ über sexuellen Missbrauch von Kindern. In Zusammenarbeit mit Beratungsstellen, Lehrern und Eltern soll das Aufklärungsstück für Kinder ab 11 über mehrere Jahre in Schwerin, Wismar, Parchim und Ludwigslust gezeigt werden.

„Und wenn alles relativ schnell geht“, so Thomas Ott-Albrecht, könnte Parchim schon im Jahr 2021 in der Eldemühle ein neues Theater haben.

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