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Geburtstag : Unangepasst und komisch: Katharina Thalbach wird 60

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sie erlangte Weltruhm als laszive Stiefmutter in Volker Schlöndorffs „Blechtrommel“, sie spielte Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Preußenkönig Friedrich II.: Kaum eine andere deutsche Schauspielerin hat ein so breites Rollenrepertoire wie Katharina Thalbach, aber auch kaum eine andere ist sich selbst dabei so treu geblieben. An diesem Sonntag (19. Januar) wird Thalbach 60 Jahre alt – ein 155 Zentimeter kleines Energiebündel, streitbar und unangepasst, komisch und ohne Angst vor der leichten Muse.

Sie wolle gern eine „verrückte Alte“ werden, notfalls mit Rollstuhl und Rollator, aber auf alle Fälle mit Aschenbecher und Bordbar, hatte sie dem „Zeit Magazin“ einmal verraten. Doch so weit ist es noch nicht. Bei Film und Fernsehen ist sie hoch gefragt, führt am Theater auch selbst Regie und steht an ihrem Geburtstag in der Berliner Komödie am Kurfürstendamm erstmals mit ihrer Tochter Anna (40) und der Enkelin Nellie (18) gemeinsam auf der Bühne. „Da werden wir andere Sorgen haben als mein Alter“, witzelte sie am Rande der Proben.

Als Tochter des Schweizer Regisseurs Benno Besson und der berühmten Brecht-Darstellerin Sabine Thalbach im Osten Berlins geboren, trat sie schon mit vier im Theater auf. Nach dem frühen Tod der Mutter nahm die Brecht-Witwe Helene Weigel das Mädchen künstlerisch unter ihre Fittiche. Sie erhielt einen Elevinnenvertrag am Berliner Ensemble und ein Stipendium für die Schauspielschule.

Schon mit 15 debütierte sie als Hure Betty in Brechts „Dreigroschenoper“. Als sie vertretungsweise die Hauptrolle übernahm, wurde sie als Entdeckung des Jahres gefeiert.

Schnell avancierte das zierliche junge Mädchen mit den riesigen blauen Augen und der losen Berliner Schnauze in der DDR zum Theaterstar.

1976 kommt es zur großen Zäsur. Mit dem Schriftsteller und DDR-Kritiker Thomas Brasch („Vor den Vätern sterben die Söhne“) siedelt sie von Ost- nach West-Berlin über, nachdem Brasch im SED-Staat nicht mehr veröffentlichen darf. „Er war meine große Liebe, mein Schicksal“, sagt sie später über den Gefährten. Er starb 2001 nach intensivem Leben mit 56 Jahren.

Auch im Westen macht Thalbach rasch Karriere. Sie bekommt als Schauspielerin, später auch als Regisseurin Engagements an namhaften Bühnen in Köln, Zürich, Paris, München, Hamburg, Basel – und immer wieder in Berlin. So gelingt ihr dort beispielsweise 1997 mit einer spektakulären Inszenierung von „Don Giovanni“ im E-Werk ein vielbeachteter Brückenschlag zwischen Mozart und Techno-Szene, 2011 bringt sie die „Zauberflöte“ als populäres Musical auf die Freiluftbühne am Wannsee.

Unvergessen unter ihren mehr als vier Dutzend Filmauftritten ist die Verführungsszene in der „Blechtrommel“ (1979), in der sie sich von ihrem kleinen Stiefsohn Oskar Matzerath (David Bennent) Brausepulver auf den Bauchnabel streuen lässt. Auch als Mutter Ehrenreich in Leander Haußmanns anrührender DDR-Komödie „Sonnenallee“ (1999) ist sie unschlagbar. Zu den neueren Kinofilmen zählen „Die Vermessung der Welt“, „Der Minister“ sowie die drei „Hanni & Nanni“-Hits.


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