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Peter Maffay : Trau keinem über 30

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei Peter Maffays diesjähriger Tournee wird vieles überraschend sein - Am 8. Februar kommt er mit seiner Band nach Rostock

„Die Nummer 1 ist ein wenig so wie eine schöne Frau: Alle begehren sie, und wenn man sie hat, merkt man natürlich, dass man sie nicht besitzen kann. Man muss sich immer wieder um sie bemühen und sie gewissermaßen aufs Neue erobern. Der Umgang mit ihr bedeutet jedoch, dass man sie wirklich schätzt und will.“

So leitete Peter Maffay 2009 seine Erinnerungen ein. Heute ist er mit 16 Nummer-1-Alben der mit Abstand erfolgreichste Musiker in den deutschen Charts.

Davon, dass er alle Höhen und Tiefen eines Künstlerdaseins erlebt hat, berichten markante Falten. Der Sänger und Songschreiber ist zwar in die Jahre gekommen, aber das ist längst kein Grund, sich aufs Altenteil zu begeben. Die Zahl 65 scheint ihm von eher geringer Bedeutung. In diesem Alter haben Männer gewöhnlich die wichtigsten Lebensziele erreicht. Maffay hingegen fühlt sich frei von vielem, was jüngere Leute meinen darstellen zu müssen. Vor allem auf der Bühne wirkt er vital und würdevoll.

Für seine diesjährige Tournee, die gestern in Hamburg begann, hat er sich viel vorgenommen. Unter dem Motto „Wenn das so ist – live“ verspricht er ein 360 Grad-Hör- und Seherlebnis. Bei der technischen Umsetzung und der musikalischen Konzeption will er Neuland betreten. „Wir haben eine zweiteilige Bühne kreiert“, erzählt der Künstler gut gelaunt beim Interview. Die Hauptbühne soll anfangs noch nicht erkennbar sein. Stattdessen ragt eine vorgelagerte runde Bühne in den Zuschauerraum, darauf wird Peter Maffay in der ersten Dreiviertelstunde akustische Coversongs spielen. Und zwar jene Klassiker von Hendrix, Dylan und den Beatles, die ihn in grauer Vorzeit dazu gebracht haben, selber Musiker zu werden.

„Ich denke, viele im Publikum haben diese Songs lange nicht mehr gehört, andere hören sie vielleicht zum ersten Mal. Damit möchten wir zeigen, dass unser aktuelles Album ‚Wenn das so ist‘ mit diesen Riffs und Stilistiken eine ganze Menge zu tun hat. Ich kann behaupten, dass es mein bestes Album überhaupt ist, ohne dass ich damit ausrutsche. Ich merke ja beim Spielen, wie logisch und homogen die Songs klingen. Dieses Album hat keine Effekte, es ist klassisches Songwriting. Wir werden es bei unserer Tour von vorn bis hinten spielen. Normalerweise tun wir sowas bei einem Konzert nicht, sondern wir bringen nur die stärksten Titel. Wenn wir wieder ein Album machen wollten, haben wir jetzt eine Vergleichsgröße.“

Nach dem Hauptteil der Show sollen dann nach zwei Stunden noch ein paar Gassenhauer aus Maffays reichem Repertoire folgen. Welche das genau sein werden, darf das Publikum entscheiden.

Und noch etwas: Das erste Mal nehmen die Fans bei einem Maffay-Konzert auch hinter der Bühne Platz. Warum? „Weil man uns von dort nicht nur auf den Popo, sondern auch auf die Finger gucken kann. Das ist ein Gefühl, als würde man sich unser Konzert vom Bühnenrand aus ansehen. Eine völlig neue Situation, die das Konzerterlebnis besonders spannend macht. Und wir selbst laufen auf der Rundbühne Marathon. Das ganze Geschehen wird zudem auf LED-Wände übertragen.“

Das Live-Spielen kann der Sänger mit den warmen Augen und dem markanten Muttermal über der Oberlippe auch nach 45 Jahren nicht lassen. Denn damit hat bei ihm alles angefangen hat. Mit 14 war Maffay in einer dieser Schülerbands, die schon damals zuhauf rumgekurvt sind. „Wir haben nur live gespielt, ich wusste ja gar nicht, wie ein Studio von innen aussieht. Aber eine kleine Bühne in einem verräucherten Club kannte ich. Draußen stand ein VW-Bus und mit dem sind wir um die Ecken gezogen. Das war geil“.

Inzwischen ist aus dem altersschwachen Bulli ein Truck geworden, ansonsten hat sich bei Maffay erschreckend wenig geändert. „Ich bin ein Kellerkind. Ich habe nie im siebten Stock gespielt. Es musste immer dunkel sein und nach Zigaretten riechen.“

Dass der Interpret von Schmusesongs wie „Und es war Sommer“ oder „Josie“ die Grenzen des Schlagers längst überschritten hat, ist heute Konsens. Sein 65. Geburtstag im August diesen Jahres ist neben der musikalischen Leistung als unverwüstlicher Mainstreamrocker auch medizinisch interessant – bei den Giftmengen, die Maffay im Lauf seines Lebens rauchte und trank. Vor 17 Jahren, als er noch 80 Zigaretten am Tag konsumierte, ging er mal wegen einer Erkältung zu seinem Hausarzt. Der entdeckte einen Schatten auf seiner Lunge: Verdacht auf Lungenkrebs. Seit diesem Tag hat Peter Maffay das Rauchen gelassen und mit dem Workout angefangen. Seine aktuelle Erscheinung kann man dann tatsächlich auch als „durchtrainiert“ umschreiben. Das ist auch nötig, denn die geplante Tournee wird ihm einiges abverlangen.

Nimmt er sich eigentlich ein Beispiel an den betagten Herren Jagger und Richards von den Rolling Stones? „Früher hat man gesagt: Don’t trust people over 30! Würde das immer noch gelten, dürften wir hier gar nicht stehen“, findet Maffay. „Wenn man sieht, wie Mick Jagger auf der Bühne abgeht, muss man ihm schon attestieren, dass er sich im Griff hat. Er weiß, was er abzuliefern hat. Und das ist bei uns nicht anders.
 

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