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Interview : Theresia Enzensberger: «Es gibt noch kein neues Buchprojekt»

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Theresia Enzensbergers Debütroman spielt in Weimar und New York. Es geht ums Bauhaus, um Walter Gropius - und um vieles mehr.

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 15:41 Uhr

Theresia Enzensberger, die Tochter des bekannten Autors Hans Magnus Enzensberger hat ihren ersten Roman geschrieben. Ihre Hauptfigur Luise studiert am Bauhaus in Weimar. Mit dem Thema hat sich die Jung-Autorin lange beschäftigt, auch aus Interesse an Architektur.

Das reicht jetzt erst einmal: «Ich habe jedenfalls Lust, auch mal was anderes zu machen», sagt Enzensberger (30). «Aber es gibt noch kein neues Buchprojekt.»

Frage: Ist «Blaupause» das allererste literarische Werk oder gab es noch frühere? Antwort: Es ist auf jeden Fall mein erster Roman, ich habe aber vorher Kurzgeschichten geschrieben, die ich nicht veröffentlicht habe. Frage: Sind Sie denn jetzt Schriftstellerin? Antwort: Ich habe den Roman ja nicht geschrieben, um Schriftstellerin zu sein, insofern ist es mir eigentlich egal, wie man mich bezeichnet. Ich werde einfach weiter schreiben. Frage: Auch literarisch? Antwort: Mal sehen, das kommt darauf an, ob's wieder einen Stoff gibt, der mich auf die Art interessiert und für den sich das richtig anfühlt. Frage: Was war der Stoff, der Sie bei «Blaupause» interessiert hat?

Antwort: Es war schon das Bauhaus. Ich war 2009 in der Ausstellung zu 90 Jahre Bauhaus, und dann hing da so ein Stundenplan, und ich habe gedacht «Das war ja auch eine Schule». Und dann habe ich angefangen, mich damit genauer zu beschäftigen. Was mich daran interessiert hat, ist dass man beim Bauhaus an die Wiege der Moderne denkt, aber wenn man genauer hinsieht, dort sehr viele verschiedene Strömungen findet, Ideen und Haltungen, auch welche, die heute noch eine Rolle spielen. Frage: Hat Ihr Interesse am Bauhaus auch mit dem an Architektur zu tun? Antwort: Ja, schon auch. Eine Sache, die ich mit Luise gemeinsam habe, ist dass ich viel über das politische Potenzial von Architektur nachgedacht habe. Frage: Aber es war nie so, dass Sie Architektin werden wollten? Antwort: Nee, so weit ging's nicht. So Statikberechnungen - ich weiß nicht, wie ich da abschneiden würde. Frage: Ist das Buch auch eine Abrechnung mit Walter Gropius? Antwort: Ich finde schon, dass er Unglaubliches geleistet hat, schon weil er diese Schule aus dem Nichts gegründet hat mit seiner Vision. Aber ich glaube, wenn man genauer hinschaut, gibt es bei all diesen Figuren Sachen, die man kritisieren kann. Frage: Aber geht es um Kritik an seiner Architektur? Er wirkt bei Ihnen ja auch als Person nicht sehr sympathisch. Antwort: Es gibt aber auch die Szene, wo Luise nach Dessau-Törten geht in die Bauhaussiedlung und merkt, die Idee war schön, aber unpraktikabel. Und wenn der Funktionalismus unpraktikabel ist, dann hat er sein Ziel verfehlt. Diese Kritik kann man da rauslesen, dass jemand sich in die Ästhetik des Funktionalismus so verliebt, dass er nicht mehr funktionalistisch ist. Frage: Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben? Antwort: Geschrieben habe ich daran anderthalb Jahre, aber beschäftigt habe ich mich damit sehr lange. Vor neun Jahren habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, so etwas zu machen. Dann hatte auch mein Abschlussfilm an der Uni mit dem Thema zu tun, aber natürlich habe ich nicht neun Jahre lang durchrecherchiert. Frage: Ist das Thema für Sie durch? Antwort: Ich habe jedenfalls Lust, auch mal was anderes zu machen. Aber es gibt noch kein neues Buchprojekt.

ZUR PERSON: Theresia Enzensberger, 1986 in München geboren, hat Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York studiert und anschließend als freie Journalistin unter anderem für die «FAZ», «FAS», «Zeit Online» und «Monopol» gearbeitet; 2014 hat sie das preisgekrönte Magazin «Block» gegründet. Sie lebt in Berlin.

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