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Folkrock : The Barr Brothers: Songs mit enormer Sogwirkung

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Im November sind sie mit den neuen Folkrock-Lieblingen The War On Drugs auf Deutschland-Tournee. Dann dürften viele über die ebenso tolle kanadisch-amerikanische Band The Barr Brothers staunen.

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 16:00 Uhr

Ihr zweites Album «Sleeping Operator» war 2014 eine der ganz großen Folkrock-Entdeckungen. Nun legen The Barr Brothers, die in Montreal ansässige Band zweier US-amerikanischer Brüder und einer Kanadierin, mit einem weiteren herausragenden Werk nach.

«Queens Of The Breakers» (Secret City Records/Rough Trade) kommt zum Glück in höherer Auflage in die deutschen Plattenläden als die beiden zeitweise nur schwer zu findenden Vorgänger. Denn diese elf Lieder verdienen nun wirklich ein größeres Publikum.

Wer sich eine Mixtur aus Wilco, den Avett Brothers und Paul Simon vorstellen kann, ergänzt durch exotische Instrumente wie die Harfe von Bandfrau Sarah Pagé, eine afrikanische Kamale N'goni (Mamadou Koita) und eine Requinto-Gitarre (Michael Felber) - hier ist sie. Dass The Barr Brothers inzwischen vom Quartett zum Trio geschrumpft sind, fällt nicht ins Gewicht - die neuen, hier und da von Streichern und Bläsern gesäumten Songs sind immer noch von atemberaubender Weite und Intensität.

Beim nachdenklichen Opener «Defribrillation» singt noch das Vokal-Duo Lucius mit. Danach harmonieren Brad und Andrew Barr aus Newport im US-Bundesstaat Rhode Island zu zweit ganz wunderbar mit Pagé, deren Harfe auf «Queens...» wieder so prominent im Sound-Fokus steht wie nirgendwo sonst in der Americana- und Folk-Szene (Anspieltipp: der schwerelose Akustik-Track «Song That I Heard»).

Die Barr Brothers könnnen aber auch wuchtiger und bluesiger rocken, etwa in «Maybe Someday» (mit feiner Mundharmonika), den von stoischen Gitarrenriffs angetriebenen Album-Highlights «Kompromat» und «It Came To Me» sowie dem bassbetonten «You Would Have To Lose Your Mind». Balladen gelingen dem Trio aber ebenfalls grandios, wie man schon auf «Sleeping Operator» feststellen konnte. Der Titeltrack schließlich hat Bruce-Springsteen-Qualitäten - ein Lied zum Autofahren auf langen Highways par excellence.

«Queens...» ist eine äußerst virtuose, lässig dahinfließende Platte mit enormer Sogwirkung - ein klassischer «Grower», der also mehrfaches, intensives Hineinhören belohnt. Mit dem berührend schönen, hymnischen «Ready For War» klingt ein Album aus, dass die Barr-Brüder und ihre Mitstreiterin in der ersten Liga des nordamerikanischen Folkrocks verankern dürfte. Zumal in Kanada nach dem Tod des Frontmannes der populärsten Band The Tragically Hip, Gordon Downie, womöglich Bedarf an neuen Helden besteht.

In Deutschland und Umgebung wurden Clubkonzerttermine von The Barr Brothers im November übrigens abgesagt - zugunsten eines Supports für die US-Kritikerlieblinge The War On Drugs. Dadurch spielt die Band jetzt in größeren Hallen, wo ihr üppiger Sound gut aufgehoben sein dürfte. Die Termine

Tourdaten: 3.11. Köln, E-Werk, 17.11. Zürich, X-Tra, 20.11. München, Muffathalle, 21.11. Hamburg, Große Freiheit, 22.11. Berlin, Tempodrom

The Barr Brothers

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