München : Tatort heute: Schluss mit „Frohe Weihnachten“

<p>Der Star in diesem Tatort: Die rumänische Schauspielerin Cosmina Stratan als Anuscha Dablika.</p>

Der Star in diesem Tatort: Die rumänische Schauspielerin Cosmina Stratan als Anuscha Dablika.

Der Tatort kommt heute Abend aus München: „Klingelingeling“ thematisiert die Bettel-Mafia und macht Schluss mit „Frohe Weihnachten“.

svz.de von
26. Dezember 2016, 17:15 Uhr

Es ist der doppelte Markus Imboden: Am letzten Sonntag sahen wir den recht faden Frankfurter Tatort des Schweizer Regisseurs, nun serviert er uns die Weihnachtsausgabe mit dem Münchner Team. So viel vorweg: „Kilngelingeling“ ist deutlich besser als das Frankfurter Würstchen. (So schwach war der letzte Frankfurter Tatort)

Angesiedelt hat die die mit dem Münchner „Tatort“ vertraute Drehbuchautorin Dinah Marte Golch ihren Krimi im Bettlermilieu, unter den aus Rumänien kommenden und Deutschlands Innenstädte gerade zur Weihnachtszeit flutenden Menschen, die von Bandenchefs da positioniert werden, wo die meisten Spenden zu erwarten sind. Im Zentrum ihrer Geschichte: Zwei Schwestern, von denen eine ihr Baby - weihnachtsgerecht - zu früh und unter heiklen Umständen zur Welt bringt, und der vom rumänischen Schauspielstar Florin Piersic jr. brillant verkörperte „Pate“ Radu Stelica.

Baby erstickt

Das Baby wird kurz nach seiner Geburt erstickt in einer Kirche aufgefunden, der „Pate“ nimmt die Fährte der abtrünniogen Schwestern und des Kindes auf und die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) werden aus ihrer bräsigen Weihnachts-Lethargie gerissen. Wie dass Baby zu Tode kam, ahnt man als Zuschauer allerdings wesentlich schneller als es die Kommissare ermitteln. Doch der Säugling bleibt nicht das einzige Opfer.

Dass immer wieder die hirnrissigsten Wichtel von der Polizei-Weihnachtsfeier auftauchen und sich mehrfach Leitmayrs Mutter mit ihrem Wunsch nach einem gemeinsamen Fest und einer schmackhaften Gans meldet (aber nie zu sehen ist), gibt dem Film einen humoristischen roten Faden, der vielleicht nicht sonderlich originell ist, aber fein gesponnen das eher düstere Gewebe durchzieht.

Überwiegend in Moll

Dieser Krimi ist kein Thriller. Er baut seine Geschichte behutsam und sorgfältig auf, ist gelegentlich heiter bis witzig, aber überwiegend in Moll gehalten. Und er scheut sich weder vor einer Prise Weihnachts-Rührseligkeit noch davor, in die Klischeekiste mit armen Bettlern, skrupellosen Bandenchefs und herzensguten (deutschen) Obdachlosen zu greifen.

Für überzeugende Authentizität sorgt Markus Imboden unter anderem dadurch, dass er die zentralen Rollen in der Bettlerbande tatsächlich mit rumänischen Schauspielern besetzte. Neben dem in seiner Heimat äußerst populären Florin Piersic jr. besticht vor allem Cosmina Stratan in der Rolle der jungen Anuscha Dablika. Nachdem sie 2012 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Darstellerpreis für ihre Rolle in „Jenseits der Hügel“ und zwei Jahre später bei der Berlinale als „Shootingstar“ ausgezeichnet worden war, gelingt ihr mit diesem Tatort ein weiterer Anstieg auf der Karriereleiter.

Tatort: Klingelingeling - Das Erste, Montag (2. Feiertag), 20.15 Uhr

Wertung: 5 von 6 Sternen

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