Kultur : Suche in Museen nach NS-Raubgut

Wiedereröffnet: das restaurierte Schabbelhaus
Wiedereröffnet: das restaurierte Schabbelhaus

Herkunft mancher Ausstellungsstücke liegt im Dunkeln.

svz.de von
11. März 2018, 20:45 Uhr

Museen sollten die Herkunft ihrer Exponate exakt kennen und bei neuen Stücken sorgfältig erfassen. „Das muss Alltag sein, bei jeder Objektübergabe“, sagte die Vorsitzende des Museumsverbandes, Kathrin Möller, am Rande der Frühjahrstagung des Verbandes gestern in Wismar. Die Vertreter der knapp 200 Museen in MV tagten im Schabbellhaus, dem wiedereröffneten Stadtgeschichtlichen Museum, zum Thema Provenienzforschung.

Möller zufolge muss bei jedem neuen Objekt genau erfasst werden, woher es kommt und warum es übergeben wird. Zeitzeugen sollten dazu befragt werden, zum Beispiel in einem Videointerview. Mit den Geschichten hinter den Exponaten könnten Ausstellungen lebendiger werden, sagte die Chefin des Schifffahrtsmuseums Rostock. So sei es bei einer alten Seemanns-Uniform interessant zu wissen, wem sie gehörte, was derjenige mit ihr erlebt und von der Welt gesehen habe.

Bei vielen Objekten in Museen, Archiven und Sammlungen ist die Herkunft nicht klar, wie der Historiker Reno Stutz sagte. Betroffen seien vor allem Kulturgüter, die in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 in die Häuser kamen. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Anne Paschen sucht er seit August 2016 im Auftrag des Museumsverbandes in zwölf der rund 200 Museen des Landes nach NS-Raubgut. Dazu zählen Kunstgüter, deren häufig jüdische Besitzer, Freimaurer oder Studentenverbindungen enteignet worden waren, oder die im Ausland geraubt wurden.

Während Häuser wie das Pommersche Landesmuseum Greifswald, das Kulturhistorische Museum Rostock, das Staatliche Museum Schwerin oder die Barlach Stiftung Güstrow selbst Provenienzforschung betrieben, fehle sie in kleinen und mittleren Museen. Von etwa 40 angeschriebenen hätten sich zwölf Museen für das zweijährige Projekt angeboten. Die Forscher sollen Verdachtsfälle aufspüren und Empfehlungen für ein weitergehendes Forschungsprojekt geben.

Zu den Verdachtsfällen gehöre bisher eine Truhe im Museum Demmin, die als Maurertruhe bezeichnet war, aber angesichts ihres Emblems - eines Zirkels - eine Freimaurertruhe zu sein scheine, sagte Stutz. Als ungerechtfertigt entzogenes Raubgut gelte ein kleines Gemälde, das ein Wehrmachtsoffizier aus Italien mitgebracht und seiner Heimatstadt Stralsund geschenkt hat. Das Schifffahrtsmuseum Rostock besitzt ebenfalls Schiffsmodelle sowie Schiffsbilder und technische Exponate, deren Herkunft unklar ist. Besonders schwierig sei es bei ehrenamtlich geführten Museen. Die Ehrenamtler hätten oft alles zu den Sammlungen im Kopf gehabt und wenig notiert, oder die entsprechenden Bücher seien 1945 vernichtet worden.

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