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Geschlechterrollen im TV : Starke Männer und verliebte Frauen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf TV-Bildschirmen und Kinoleinwänden beherrschen Männer das Bild, Frauen dagegen sind unterrepräsentiert, wie eine Studie zeigt

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Wie komme ich wieder aus dieser Maschine heraus, dachte sich Maria Furtwängler nachdem sie vor dem Start die Stimme der Flugkapitänin hörte. Die „Tatort“-Kommissarin erinnerte sich an diese Sekunden der Panik als sie gestern in Berlin eine Studie zur Darstellung von Mann und Frau in Film und Fernsehen vorstellte. Nur Männer, so beschrieb die Schauspielerin ihren damaligen Reflex im Flugzeug, könnten für Sicherheit sorgen und hätten alles im Griff. Ähnliche Vorurteile herrschten heute noch in deutschen TV- und Kinofilmen.

Nach der von Furtwängler und ihrer Malisa-Stiftung initiierten und von ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 geförderten Untersuchung der Universität Rostock, haben in der heimischen Fernseh- und Kinowelt die Männer das Sagen, Frauen sind in den Hauptrollen im Verhältnis eins zu zwei deutlich unterrepräsentiert.

Im deutschen Fernsehen seien über alle Sendungen hinweg 67 Prozent der Hauptakteure Männer, betonte die Rostocker Medienforscherin Elizabeth Prommer. Und wenn Frauen vorkommen, so haben es die Medienwissenschaftler nach der Analyse von rund 3000 TV-Programmen aus 2016 und 1000 Kinofilmen aus der Zeit von 2011 bis 2016 herausgefunden, beschäftigen sich die Darstellerinnen meistens mit Beziehung und Partnerschaft, Stereotype, denen nur schwer beizukommen sei, wie Furtwängler sagte.

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Weiter stellten die Forscher eine Alterslücke fest: So würden vor allem junge Frauen in Film und Fernsehen dargestellt. Ab Mitte 30 kämen auf eine Frau zwei Männer, ab 50 Jahren sogar drei Männer.

Dass sie das Genderthema unterschätzen, wollen sich Private und Öffentlich-Rechtliche auf keinen Fall nachsagen lassen. So kamen zur Präsentation die Spitzen von ARD und ZDF, Karola Wille und Thomas Bellut. Auch die Geschäftsführer von RTL, Frank Hoffmann, und ProSiebenSat.1, Wolfgang Link, waren dabei. Petra Müller, Chefin der Film- und Medienstiftung NRW vertrat die Fördergremien.

Sie alle sehen Handlungsbedarf, sprechen auch von Fortschritten, wollen in ihren Häusern „Bewusstsein schaffen“. Thomas Bellut sagte, die Ergebnisse der Studie hätten teilweise „überrascht und geschockt“. Der Zustand sei unbefriedigend. Die Geschlechtergerechtigkeit „ist eine Selbstverpflichtung, die wir uns auferlegt haben“, sagte Bellut. Moderatorin Petra Gerster stichelte in der Runde immer wieder, reagierte verhalten, als etwa der RTL-Chef seinen Sender als „frauenaffin“ beschrieb. Ja, da sei noch viel tun, sagte Hoffmann und nannte als Beispiel die Comedy-Serie „Ritas Welt“. Die Protagonistin sei weiblich, aber eben Verkäuferin und nicht Supermarkt-Besitzerin.

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Gerster hakte auch bei ihrem Vorgesetzten nach, warum das langjährige Frauenmagazin „Mona Lisa“ eingestellt werde. Frauenthemen seien eben keine Nischenangelegenheit mehr, lautete Belluts Befund, man brauche keinen besonderen Sendeplatz mehr dafür. Auch ging die „heute“-Moderatorin mit „Rosamunde Pilcher“ hart ins Gericht. In dem ZDF-Melodram hätten Frauen allein „Liebe im Kopf“ und träumten von der „richtigen Heirat“.

Überhaupt die Liebe: Nur in Telenovelas und Soaps herrscht weitgehend Geschlechterparität, sonst aber männliche Deutungshoheit. Männer überwiegen als Nachrichtensprecher (72 Prozent) und in Expertenrunden (79 Prozent). Quiz- und „Reality Shows“ werden zu 80 Prozent von Männern moderiert. Selbst im Kinderfernsehen sind Monster und Tiere meist männlich, sagte Studienleiterin Elizabeth Prommer. Auf eine weibliche Figur kämen drei männliche. Imaginäre Figuren seien fast ausschließlich durch Jungen und Männer besetzt. Auf eine weibliche Tierfigur kämen neun männliche. Medienmacher und Forscher warnten vor einer Verfestigung von Stereotypen in der nachfolgenden Generation.

„Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird“, sagte Furtwängler. Sie verwies darauf, dass man bislang fehlende Diversität nur gefühlt habe, „jetzt haben wir Fakten“.

Ein Gender-Lichtblick ist „Wonder Woman“. Die neue Kinoheldin werde auch von Jungen bewundert. Dadurch könnten neue Rollenbilder entstehen, sagte Petra Müller, die sich mehr Anträge von Frauen für Regie, Produktion und Drehbuch wünscht.

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