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«Alles in Allem» : Spaziergang durch Kosmos des Mystikers Jacob Böhme

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Karl Marx nannte ihn einen großen Philosophen, Friedrich Schlegel den mannigfaltigsten Mystiker. Als ein wichtiger deutscher Denker prägte er die Kunst der Moderne. Trotzdem ist Jacob Böhme in der Heimat ein Unbekannter.

svz.de von
erstellt am 25.Aug.2017 | 16:01 Uhr

Berühmt als Mystiker und als Denker unbekannt: Eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) soll den aus Görlitz stammenden Philosophen Jacob Böhme (1575-1624) und sein Wirken bekannter machen.

«Alles in Allem» zeigt die Gedankenwelt des Schusters, der als Autodidakt eine komplexe, auf der Naturbeobachtung basierende Philosophie entwickelte. «Jacob Böhme zählt zu den wichtigsten deutschen Denkern, hat Literatur, Kunst und Philosophie über die Ländergrenzen hinweg bis heute geprägt», sagte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann am Freitag vor der Eröffnung. Anders als im Ausland sei das in seiner Heimat kaum bekannt.

Für die Schau wurde die erstmals museal genutzte Schlosskapelle zum begehbaren Gedankengebäude - nach Böhmes Entwurf der «Philosophischen Kugel». Im Halbdunkel zeugen 85 Exponate von seinem Wirken, mehr als zwei Drittel sind Leihgaben. Dazu gehören seine 30 Schriften vom Erstlingswerk «Aurora» von 1612 bis zur sogenannten Law-Edition mit «Pop-up»-Illustrationen. Kunstwerke von William Blake über Hans Arp bis Wassily Kandinsky zeigen den bis in die Gegenwart anhaltenden Einfluss auf Literaten, Philosophen und Künstler.

Das Grundgerüst des Rundgangs bilden sieben Begriffe, die zentral für Böhme waren: Natur, Finsternis, Schöpfung, Kosmos, Wiedergeburt, Licht und Freiheit, wie Kuratorin Claudia Brink erklärte. Das mache dessen Gedankenwelt physisch erfahrbar. «Alles in Allem» soll auch in Amsterdam (Niederlande), Coventry (Großbritannien) und Breslau (Polen) gezeigt und in etwa drei Jahren weiterentwickelt auf Dauer in Görlitz etabliert werden, wo Böhme ab 1592 als Schuster lebte, bis er den Beruf für das Schreiben an den Nagel hängte.

Böhme suchte nach einer universellen Theorie, um Religion und die aufstrebende Wissenschaft in Einklang zu bringen. Seine Debütschrift «Aurora» erzürnte 1612 die Kirche, die trotz Schreibverbots folgenden Werke zirkulierten unter Anhängern und Freunden in Abschriften. Von Kirchen- und Philosophiehistorikern ignoriert und geschmäht, wurde er vergessen. In jüngerer Vergangenheit werde international zu Böhme geforscht, das Interesse an ihm sei wiedererwacht, sagte Brink. Denn er habe auch Fragen von bemerkenswerter Aktualität aufgeworfen, sagte Ackermann. «Er wandte sich mit deutlichen Worten gegen Krieg und Gewalt, setzte sich gegen die Verfolgung von Minderheiten und für Toleranz zwischen den Religionen ein.»

Informationen zur Ausstellung

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