zur Navigation springen

Drama gedenkt an Lichtenhagen : Sonnenblumenhaus in Flammen

vom
Aus der Onlineredaktion

ZDF-Drama „Wir sind jung. Wir sind stark.“ erinnert an den Überfall auf Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 12:00 Uhr

In diesem Jahr jähren sich zum 25. Mal die Ereignisse des 24. August 1992 von Rostock-Lichtenhagen. Der Spielfilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ von Burhan Qurbani erzählt aus verschiedenen Perspektiven von jener Nacht, die auf unheimliche und erschreckende Weise aktuell erscheint. Das ZDF strahlt den Film am 17. August um 22.15 Uhr aus.

Zu sehen sind zu Beginn Jugendliche, die tagsüber gelangweilt in der Plattensiedlung herumlungern. Nachts randalieren sie gegen Polizei und Ausländer. Auch Stefan (Jonas Nay), der Sohn eines Lokalpolitikers, streift mit seiner Clique ziellos durch Lichtenhagen. Es brodelt, aber immer nur bis kurz vor dem Siedepunkt. Ohne Job und eine Aufgabe neigen sie zu Grausamkeiten.

Auch Lien (Trang Le Hong) lebt mit ihrem Bruder und ihrer Schwägerin in diesem Stadtteil, im sogenannten Sonnenblumenhaus.

Die Vietnamesen glauben, in Deutschland eine Heimat gefunden zu haben. Sie wollen auch nach der Wende bleiben. Am 24. August 1992 versammelt sich der Mob vor dem Sonnenblumenhaus. Auch Stefan und seine Clique sind unter den Randalierern. Dann wirft einer den ersten Molotow-Cocktail ins Haus. Die tatenlos zuschauende Menge klatscht Beifall, während im Haus die Vietnamesen um ihr Leben kämpfen. Am Ende dieses Tages wird sich für viele das Leben geändert haben.

Der Regisseur des Films Burhan Qurbani war noch ein Kind, als die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen die Medien prägten und die Menschen erschütterten. „Ich kann nicht behaupten, dass ich damals alles verstanden hätte. Aber ich kann mich sehr lebhaft an die Bilder erinnern. Die haben sich eingebrannt, die habe ich verinnerlicht: das Feuer, die Chaoten und die Schaulustigen, die vielen Polizisten. Es war eine dramatische Nacht.“

Burhan Qurbani,1980 in Erkelenz geboren, floh 1979 mit seinen Eltern nach Deutschland. Er studierte Spielfilmregie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seine Kurzfilme wurden auf vielen Filmfestivals auf der ganzen Welt ausgezeichnet. „Shahada“, Qurbanis Diplomfilm, lief auf der 60. Berlinale 2010 im Wettbewerb. Als Teil des Omnibus-projekts „20 x Brandenburg“ drehte der Filmemacher die Dokumentation „Krieger ohne Feind“. Die Filmreihe wurde 2011 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Burhan Qurbani erzählt, dass er sich damals plötzlich sehr fremd gefühlt habe in Deutschland. „Es ist seltsam, aber ich glaube, dass ich in dieser Zeit zum ersten Mal mein Ausländersein verstanden habe. Nicht willkommen zu sein. Hier nicht ganz zuhause sein. Eine erste Infragestellung von Heimat.“ Inzwischen, so glaubt er, drohen die Ereignisse von Rostock-Lichtenhagen im kollektiven Unterbewusstsein unserer Gesellschaft zu versickern. „Mein Film möchte erinnern. Nicht anklagen, nicht denunzieren, aber dieses Ereignis, welches eine der schlimmsten zivilen Katastrophen der deutschen Nachkriegszeit war, noch mal ins Gedächtnis rufen.“

„Wir sind jung. Wir sind stark.“, ZDF, 17. August, 22.15 Uhr



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen