Seine Träume leben

soul
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Der Musiker Leslie Mandoki hat mit dem Live-Album „Mandoki Soulmates BudaBest“ ein Versprechen erfüllt

Der in Budapest geborene Schlagzeuger, Bandleader und Produzent Leslie Mandoki leitet seit 20 Jahren die aus internationalen Stars zusammengesetzte Formation „Soulmates“, die eine Fusion aus Jazz, Rock und Soul pflegt. Darüber hinaus komponiert er Jingles für deutsche Automobil-Hersteller und andere Unternehmen. Ulrich Grunert sprach mit dem 60-jährigenKünstler

Sie haben in ihrer Jugend am Konservatorium in Budapest studiert. Ich bin im Osten Deutschlands, in der DDR, aufgewachsen. Für uns galt Budapest in den späten 60er Jahren und frühen 70er-Jahren als Fenster zum Westen. Hier gab es für uns mehr Freiheiten als zu Hause. Können Sie uns etwas zu den damaligen Verhältnissen erzählen, die dazu führten, dass Sie mit einigen Freunden Ungarn in einer gefährlichen Flucht durch den Karawankentunnel in den Westen gingen?
Mandoki: Aus der Sicht eines jungen DDR-Reisenden beschreiben Sie die Umstände für mein Dafürhalten total zutreffend. Ich spielte mit phantastischen Bands wie Syrius. Die schulten meine jungen Jahre als Musiker. Und ja – es gab viele Freiheiten, die in der DDR unvorstellbar waren. Selbst als ich von der Geheimpolizei von der Bühne geholt worden bin und mitten im Konzert der Strom abgestellt wurde, sagte mir der Einsatzleiter: „Hey Junge, ihr spielt so toll! Bitte bring mich nicht in Schwierigkeiten! Geh zurück auf die Bühne, spiel weiter, aber gib nicht so aggressive Sprüche und aggressive Texte gegen unsere Parteivorsitzenden von dir!“

In der Tat, es war eine lasche Diktatur mit menschlichem Antlitz, teilweise mit einem herzlichen Miteinander. Aber ich wollte die bedingungslose Freiheit eines Künstlers – ohne Zensur, ohne Schießbefehl, ohne Bespitzelung und ohne Folter und Folterandrohung. Und ich wollte mich Jack Bruce, mit Ian Anderson und mit Al Di Meola zusammen spielen. Das sagte ich später auch im Zentrallager für Asylbewerber als eine der Begründungen für meine Flucht. Auch ein osteuropäischer Musiker muss seine Träume leben und nicht sein Leben träumen. Schließlich hatte ich am Sterbebett meines Vaters, als ich 16 war, geschworen, dass seine Enkelkinder, die er nicht kennenlernen konnte, nie zensierte Zeitungen lesen werden. Ich habe meinem Vater mein Wort gegeben, ich würde mir notfalls ein Loch in den eisernen Vorhang bohren. Dieses Versprechen habe ich dann auch gehalten.
Seit 20 Jahren arbeiten Sie als Bandleader der Soulmates mit einer Gruppe voller Weltstars, bei der auch Ian Anderson, Al Di Meola und Peter Maffay mitwirken. Das Jubiläumskonzert in Budapest zeigt nun auch auf CD und DVD die Klasse und Spielfreude…
Alle Musiker dieser Band verbindet ein Bestreben, diese Welt mit Musik lebenswerter zu gestalten. Es ist jedes Mal ein irres Gefühl, wenn wir zusammen auf der Bühne stehen. Ich glaube, dass das auch beim Anschauen und Hören von „Mandoki Soulmates BudaBest“ zu spüren ist. Deshalb habe ich das Konzert meinem Vater gewidmet, dem ich einst das Versprechen gab, mir musikalisch keine Grenzen setzen zu lassen.
Die Wirtschaftszeitschrift Brand Eins hat Sie als Musiker beschrieben, der die Fähigkeit zu echten Freundschaften hat und dabei eine unverstellte Bewunderung für die Jazzrock-Stars seiner Jugend bewahrt hat. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich bin ein miserabel schlechter Manager, aber ich bewundere tolle Manager. Ich bin ein typischer Künstler. Zwar sehr aufgeräumt in seiner Produktionsweise im Studio und auf der Bühne, denn das lässt eben Raum für Emotionen und Chaos würde das geradezu verhindern. Aber für Wirtschaftlichkeit und Finanzen an sich habe ich keine gute Ader. Vielmehr habe ich das ehrenvolle Privileg, dass viele Künstler, Opinion Leader und Entscheidungsträger aus der Welt der Medien, Wirtschaft und Politik mir als Künstler begegnet sind und dabei substanziierter Gedankenaustausch stattfand – und oft entstanden aus gemeinsamen Werten und gemeinsamen Interessen über diesen Gedankenaustausch echte Freundschaften.
Ist es eigentlich schwieriger, einen Wahlkampfsong für eine etablierte Partei zu schreiben oder einen Song für ein Modell einer berühmten Auto-Marke zu kreieren? Wo liegen Gefahren, kann das auch schief gehen?
Wenn man authentisch bleibt und für die Auto-Marke, die Politik oder den Sport bzw. den Verein Musik schafft, für die/den auch sein Herz schlägt und das Bekenntnis auch eine klare, stringente Konsistenz hat, dann kann es eigentlich nicht wirklich schief gehen. Da sehe ich auch keine Gefahr. Authentizität, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sind im Bekenntnis eines Künstlers unerlässlich.





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