Dinner for One : Sechs-Gänge-Menü aus Anekdoten

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„Dinner for One“ gehört zu Silvester dazu wie der Sekt zum Anstoßen – die Geschichten am Rand sind jedoch eher unbekannt

svz.de von
31. Dezember 2016, 16:00 Uhr

Dieser Silvester-Sketch ist beliebter als die Neujahrsansprache – seit 1963 lacht Deutschland über „Dinner for One“. Ein paar Geschichten, die nicht unbedingt jeder kennt:

Freddie Frinton, der als überhöflicher Butler James die aufgeräumte Miss Sophie bedient, begann seine Karriere als Arbeiter in einer Fischfabrik. Dort lenkte er Kollegen mit Parodien von der monotonen Arbeit ab. Daher wurde er als Fabrikarbeiter dann auch gefeuert.

Wenige Jahre nach dem heiteren „Dinner for One“ hat „Miss Sophie“ May Warden eine Rolle in einem der brutalsten und düstersten Filme der 70er-Jahre übernommen: In Stanley Kubricks Meisterwerk „Uhrwerk Orange“ (1971) ist sie als eine Obdachlose zu sehen – ohne Text.

Besäufnis mit Konsequenzen
Schaden von 2120 Euro
Butler James sorgt bei „Dinner for One“ für einen Schaden von 2120 Euro. Teuerster Posten sei das Tigerfell mit Reparaturkosten von rund 2000 Euro, teilt die Allianz-Versicherung mit. Zudem sei der Teppich stark ramponiert und die Tischdecke mit Wein- und Speiseflecken übersät. Der Münchner Konzern hat eine fiktive Schadensakte für die Geburtstagsfeier von Miss Sophie erstellt, die seit 1963 zum Jahreswechsel dazugehört. „Als Angestellter von Miss Sophie sind die Missgeschicke von Butler James als Eigenschäden der Arbeitgeberin  anzusehen und damit nicht versichert“, sagt Allianz-Expertin Mirjana Hasdorf-Achatz. Da sich der Butler während des Menüs mit Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein betrinkt, gelte er als Wiederholungstäter. „Da müssten wir natürlich  aus  versicherungsrechtlicher Sicht überlegen, zu welchen Konditionen wir ihn künftig versichern.“

Nicht nur die Bundesbürger pflegen die Tradition, „Dinner for One“ am letzten Tag des Jahres zu sehen. Auch Sender in Schweden, Dänemark, Estland, Australien, Luxemburg, Belgien, Österreich und der Schweiz zeigen den Sketch an Silvester. In der britischen Heimat von Freddie Frinton und May Warden ist das Stück dagegen nicht geläufig. Angeblich aus einer Abneigung gegen Deutschland – die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg waren nach 20 Jahren noch recht frisch.

Der Exportschlager „Dinner for One“ wurde nirgends synchronisiert. Allerdings hat man das Stück mehrfach in Mundart nachgespielt, unter anderem auf Plattdeutsch.

Bei der Aufzeichnung 1963 in Hamburg lachte NDR-Telefonistin Sonja Göth am lautesten. Man hört sie buchstäblich im Publikum heraus. „Der Aufnahmeleiter kam irgendwann zu mir her und hat den Finger auf die Lippen gelegt“, sagte sie einmal im Interview. „Das hieß: Wenn ich nicht aufhöre, muss ich raus. Selbst Freddie Frinton fühlte sich wohl gestört. So hat man mir das nachher zumindest gesagt.“ Stolz sei sie nicht darauf. „Mir ist das eher peinlich.“

Sendetermine
The same procedure...
Butler James und sein Kampf mit dem Tigerfell – das ist ein feuchtfröhlicher Klassiker: Der Sketch „Dinner for One oder Der 90. Geburtstag“ bringt die Deutschen seit mehr als 50 Jahren am Silvestertag in Sektlaune  – auch dieses Jahr läuft der  turbulente Sketch wieder im Fernsehen auf mehreren Kanälen: Der NDR sendet das 18-minütige Besäufnis um 15.25 Uhr, um 17.40 Uhr, um 19.40 Uhr und um 23.35 Uhr. Der WDR hat die Sendung um 18 Uhr im Programm. Der SWR zeigt den Evergreen um 18.05 Uhr, um 19.25 Uhr,  um 21.55 Uhr und um 23.50 Uhr. Beim RBB wird um 18.07 Uhr zum Dinner geläutet. Im MDR ist der Sketch um 19 Uhr zu sehen, im HR  um 19.10 Uhr und im  BR  um 18.55 Uhr sowie um  0.35 Uhr. Das Erste strahlt um 18.55 Uhr und am frühen Neujahrsmorgen um 0.30 Uhr aus.
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