Literatur : Schriftsteller Hermann Kant mit 90 Jahren gestorben

Der gebürtige Hamburger gehörte zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellern der DDR. Seine Romane hatten Millionen-Auflagen. Zwei Monate nach seinem 90. Geburtstag ist Hermann Kant gestorben.

svz.de von
14. August 2016, 13:06 Uhr

 Hermann Kant („Die Aula“), einer der wichtigsten Schriftsteller der DDR, ist tot. Genau zwei Monate nach seinem 90. Geburtstag starb der einstige Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes am Sonntagmorgen in einem Krankenhaus in Mecklenburg-Vorpommern, wie die Verlegerin Simone Barrientos vom Verlag Kulturmaschinen bestätigte.

Kant sei vor ein paar Tagen gestürzt und habe sich davon nicht mehr erholt. Seine Biografin Linde Salber sei in den letzten Stunden bei ihm gewesen. Zuerst hatte die Zeitung „Neues Deutschland“ berichtet.„Der Kulturmaschinen Verlag trauert mit seiner Familie und seinen Freunden“, heißt es in einer Mitteilung. Kants letztes Buch war vor zwei Jahren in dem Verlag erschienen.

Schriftstellerkollegen und Kritiker, darunter Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki, warfen ihm seine fast bedingungslose Regimetreue vor, hatten aber zugleich Respekt vor Kants Werk. Der Schriftsteller war Abgeordneter der Volkskammer und von 1986 bis 1989 Mitglied des Zentralkomitees der SED. Von 1978 bis zum Ende der DDR war Kant zudem Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes. Seine Romane „Die Aula“, „Das Impressum“ und „Der Aufenthalt“ erzielten in der DDR Millionenauflagen.

Kant war am 14. Juni 1926 in Hamburg geboren worden. Seine Eltern gingen mit ihm 1940 nach Parchim in Mecklenburg. Anfang dieses Jahres war der betagte Autor aus seinem Haus im mecklenburgischen Prälank in ein Heim für betreutes Wohnen nach Neustrelitz gezogen.

Der berühmteste Roman des DDR-Schriftstellers war „Die Aula“ (1965).

650 000 Bücher sind nach Angaben des Berliner Aufbau-Verlages davon bislang verkauft worden. In 15 Sprachen wurde der Roman über die ostdeutschen Anfangsjahre nach dem Krieg übersetzt. Wegen seines Sprachwitzes zählte er selbst im Westen teils zur Schullektüre.

„Ich las und fühlte mich gut unterrichtet über die Aufbruchjahre der DDR, über das Milieu einer Arbeiter-und-Bauernfakultät“, hatte Gunnar Cynybulk, Programmleiter des Verlags, zum 90. Geburtstag von Kant im Juni über den Erfolgsroman gesagt. Kaum jemand habe den Apparat, den sich die DDR-Gesellschaft aufgebaut hat, so kompetent beschrieben wie Kant und auch so ironisch, schätzte der Verlag seinen Autor in der Vergangenheit ein.

Im neuen, vereinten Deutschland hatte Kant noch Romane geschrieben, die meist nicht besonders gut bei der Kritik ankamen - etwa

„Kormoran“, „Kino“, „Okarina“ oder „Kennung“. Vor zwei Jahren erschien im Kulturmaschinen Verlag das letzte Buch Hermann Kants: „Ein strenges Spiel“ ist eine Novelle, die sich mit Krankheit und Tod beschäftigt.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung 2015 hatte Kant erklärt: „Von mir aus hätte die deutsche Einheit unterbleiben können. Ich habe immer geglaubt, dass wenn Deutschland eins ist, es dann sozialistisch ist und dann geh' ich wieder zurück nach Hamburg.“ Das sei jetzt „der schiere Kapitalismus geworden“.

Hermann Kant beim Aufbau Verlag

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