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Kein Oberlehrer-Theater : Peter Carp startet Intendanz in Freiburg

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Peter Carp wechselt von Oberhausen nach Freiburg. Der erfahrene Theatermann wird in der badischen Stadt erstmals Chef eines Drei-Sparten-Hauses. Und inszeniert ein junges, offenes Theater.

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 14:31 Uhr

Peter Carp kann mit seinem Chefbüro noch nicht so viel anfangen. Der neue Intendant des Freiburger Theaters steuert lieber den Bühnenbereich an. «Mindestens einmal am Tag muss ich auf der Bühne stehen», sagt der 62-Jährige.

Premiere als Freiburger Theaterchef hat Carp am Wochenende (20. bis 22.10.). Dann beendet das Theater die Sommerpause, Carp startet in Freiburg seine erste Spielzeit. In dem Drei-Sparten-Haus der badischen Universitätsstadt plant er ein internationales Programm.

Der gebürtige Stuttgarter, der in den 80er Jahren bei Hans Neuenfels (76) Dramaturgie lernte, ist Nachfolger von Barbara Mundel (58), die elf Jahre an der Spitze des Freiburger Theaters stand.

Seit 2008 leitete Carp als Intendant das Theaters Oberhausen in Nordrhein-Westfalen, zuvor war er Schauspieldirektor am Theater Luzern. Mit Freiburg verantwortet er nun ein Haus, das neben dem Schauspiel auch die Bereiche Oper und Tanz beinhaltet - für Carp sind diese Sparten Neuland als Intendant, wie er sagt.

«Es hat mich fasziniert, ein Mehrspartenhaus zu übernehmen», sagt er. Daher habe er entschieden, nach Freiburg zu kommen. Mit seinen Inszenierungen habe sich Freiburgs Stadttheater überregionales Ansehen erarbeitet. Das reize ihn.

«Ich hoffe auf die Neugier der Zuschauer», sagt der 62-Jährige, dessen jüngere Schwester Stefanie Carp die Theaterregisseurin und Intendantin der Ruhrtriennale 2018-2020 ist. Allein in der ersten Spielzeit in Freiburg plant er 45 Premieren. Die Saison hat er unter den Oberbegriff «Weltempfänger» gestellt. Freiburg soll Bühne sein für internationale Ensembles und Künstler.

So bringt Carp als erstes Stück eine Neuinszenierung von Anton Tschechows gesellschaftskritischer Komödie «Der Kirschgarten» ins Programm, inszeniert von dem iranischen Regisseur Amir Reza Koohestani. Hinzu kommen unter anderem ein Tanztheater aus Belgien und das Politdrama «Crudeland» des südafrikanischen Autors und Regisseurs Mpumelelo Paul Grootboom.

Carp selbst wird das Eröffnungswochenende, zumindest zeitweise, an vergleichsweise ungewohntem Ort verbringen. Im Foyer steht er, wie andere Mitarbeiter des Theaters auch, an der Theke. «Ich mache Theater, um Menschen zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen», sagt er. «Als Intendant will ich nahbar und ansprechbar sein, ohne mich selbst zu inszenieren.» Das Chefbüro werde daher auch zukünftig nicht er Ort sein, an dem er sich ausschließlich aufhalte.

«Am Herzen liegt mir ein Theater, das in der Gesellschaft spielt und dessen Themen aufgreift», sagt Carp. Theater solle politisch sein und Fragen stellen, dürfe aber nicht vorgegebene Antworten liefern. «Der Zuschauer soll sich selbst ein Bild machen und eine Meinung bilden. Theater darf nicht der Oberlehrer der Gesellschaft sein.»

Theater Freiburg

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