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Premiere : „O Baby, Baby, Balla Balla“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Weltall – Erde – Mensch. Der etwas andere Liederabend“ feierte am Schweriner Theater Premiere

Erinnerungen wach zu rufen durch Lieder und dabei auch zu unterhalten, das war das Anliegen des Liederabends „Weltall – Erde – Mensch“, den Schauspieldirektor Peter Dehler und sein musikalischer Compagnon John R. Carlson in der Silvesternacht im voll besetzten Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters einem erwartungsfrohen Publikum servierten. „Weltall – Erde – Mensch“, das klingt bekannt. Das war doch auch der Titel jenes Buches mit viel Populärwissenschaftlichem und noch mehr Ideologie, das viele Jahre den Teilnehmern der Jugendweihe in die Hand gedrückt wurde. Erinnerungsseliges Schenkelklopfen war also nicht angesagt.

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall gibt es an die Zeit davor und danach höchst unterschiedliche Erinnerungen. Erinnerungen, die sich auch an Melodien und Texten festhalten. Dass Dehler die zehn Protagonisten (fünf Damen, fünf Herren) ausgerechnet in einer Art Sanatorium zusammenführt und sie sich singend und zitierend erinnern lässt, zeigt, dass er um auch noch nicht verheilte Blessuren aus beiden Zeiten weiß. Aber dafür, dass es weder ostalgisch noch weinerlich wird, sorgt eine gut aufgelegte und frisch von der Leber weg singende Darstellerriege, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen mit Melodien und Texten versorgt. Da wird der Kindergarten-Hit „Bummi, Bummi“ ungeniert mit den Toten Hosen gemischt; Karats „Sieben Brücken“ werden nicht gesungen, sondern von Barbara Wachholtz aufgesagt, Anja Werner macht aus dem Udo-Jürgens-Titel „Liebe ohne Leiden“ einen Dialog mit dem Gesamtensemble, Özgür Platte nuschelt Max Raabes „Küssen kann man nicht alleine“ durch eine Atemschutzmaske, Caroline Wybranietz singt „Meinetwegen“ von Bettina Wegner und „Soll sein“ von Gerhard Gundermann, und Barbara Wachholtz freut sich mit Reinhard Lakomy, dass sie „heute ganz allein“ ist und verleiht im Duett mit Klaus Bieligk Ute Freudenbergs „Jugendliebe“ eine ganz besondere Note. Simon Jensen erinnert mit Sinatras „My Way“ daran, dass der Mensch, auch der erfolgreiche, immer auch der Verzeihung bedarf. Milvas „Ich hab keine Angst“ wird ganz stark interpretiert von Brit Claudia Dehler. Das Thema der Erinnerung und auch deren Unzuverlässigkeit und Ambivalenz wird ganz besonders deutlich an der Stelle, an der Christoph Bornmüller sich mit Peter Cornelius einer alten Liebe „Du entschuldige, ich kenn dich“ erinnert und diese, Brit Claudia Dehler, ganz penetrant im Verhörton des Oktoberklubs immer wieder fordert „Sag mir, wo du stehst“. Die Erinnerung ist futsch, und man stellt fest, dass man sich wohl doch überhaupt nicht kennt. Klaus Bieligk konstatiert mit Vroni Fischer „Kinderzeit ist lange her“ und Josefin Ristau hat sich des „Fischleins unterm Eis“ von Karussell angenommen. Weitere Höhepunkte.: Rüdiger Daas mit Heintjes „Mama“, der von John R. Carlson mit vollem Einsatz dirigierte Chor, der Pop-Lyrik vom Feinsten spricht – den aus nur fünf verschiedenen Silben bestehenden Text des alten Rainbow-Knallers „O Baby, Baby, Balla Balla“ – zum Hinschmeißen komisch.

Apropos komisch. Mit dem Komsomolzen-Lied erklang ein Titel, der auch schon (wenn auch mit leicht verändertem Text) Ende der Achtziger in Christoph Schroths FDJ-Lieder-Abend zu hören war. Er wirkt heute wirklich noch anachronistischer als damals. Und die Idee Bob McFerrins „Don’t Worry Be Happy“ melodisch und rhythmisch dem nervenden „Bummi, Bummi – Brumm, Brumm, Brumm“ zu unterlegen, ist nahezu genial...





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