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Die Kunst des Synchronsprechens : Nicht nur sprechen – auch spielen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Oliver Rohrbeck gehört zu den gefragtesten Synchronsprechern Deutschlands.

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Oliver Rohrbeck ist wohl der einzige deutsche Synchronsprecher und -regisseur, der selbst den Status eines Stars genießt. Die große Popularität des 52-jährigen zementierte sich bereits in dessen Kindertagen, in denen der Berliner die Rolle des Detektivs Justus Jonas in der zum Kult avancierten Hörspielserie „Die drei ???“ einsprach. Auch in den Disney-Filmen „Bambi“ und „Pinocchio“ sowie in Spielbergs „E.T. – Der Außerirdische“ erklingt Rohrbecks Stimme. Seit 1998 ist er die deutsche Stammbesetzung für Hollywood-Star Ben Stiller. André Wesche sprach mit Oliver Rohrbeck, der auch wieder als Sprecher des Protagonisten Gru im dritten Teil von „Ich – Einfach unverbesserlich“ dabei ist.

Herr Rohrbeck, hatten Sie schon vor sieben Jahren das Gefühl, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist?

Vor sieben Jahren war das ein großes Experiment, auch für die Produktionsfirma. Man war sich gar nicht so sicher, ob man mit diesen Minions durchkommt und ob der Film ein Erfolg wird. Aber als dann der zweite Teil kam, war mir schon klar, dass es nicht dabei bleiben wird. Ich bin sehr froh darüber. Der ganze Ton, die Frechheit und der Humor dieser Geschichten sind schon einzigartig. Ich bin sehr beglückt, da mitmachen zu dürfen.

Inwiefern ist Gru eine Herausforderung für einen Synchronsprecher?
Ganz am Anfang hieß es, dass Gru einen osteuropäischen Akzent braucht. Ich habe darüber nachgedacht, wie man das realisieren kann. Ich habe schon viele Figuren mit französischem oder arabischem Akzent gesprochen. In solchen Fällen spricht einem oft ein Muttersprachler die Sätze vor und man versucht, wie dieser Muttersprachler zu klingen. Es ist trotzdem wichtig, dass man auch die Rolle spielen kann, darauf legen die Produzenten besonderen Wert. Deshalb besetzt man ja Schauspieler. Für Gru musste ich mir also einen osteuropäischen Akzent ausdenken. Natürlich kannte ich diese boxenden Brüder aus dem Fernsehen, die immer sagen (Anm.: im Klitschko-Stil:) „Oben ist die Luft dünn!“. Ich habe dann noch ein bisschen Karel Gott beigemischt und fertig war der Akzent. Er hat wunderbar gepasst. Ich spreche ihn auch so sehr gerne. Wenn ich bei meinen eigenen Veranstaltungen mal in den Akzent von Gru verfalle, freut sich das Publikum immer ganz außerordentlich.

Bedarf das Instrument Stimme einer besonderen Pflege?
Wenn ich einen Zug am Hals kriege, bin ich danach oft ein bisschen kratzig. Allerdings habe ich auch eine Schauspielausbildung und weiß damit umzugehen. Ich pflege meine Stimme nicht ausgiebig. Ich gehe sehr gern ins Fußballstadion und schreie Fäkalwörter auf den Platz runter.

Finden Sie die englische Bezeichnung „Voice Actor“, also Sprachschauspieler, passender für Ihre Tätigkeit?
In der Branche sagt man oft: „Nein, ich bin kein Sprecher, ich bin Synchronschauspieler!“. Mir ist es auch wichtig, dass die Öffentlichkeit weiß, dass diese Arbeit nur von Schauspielern gemacht werden kann. Die bloße Mikrofonausbildung eines Nachrichtensprechers reicht da nicht aus. Es geht ja darum, diese Rollen auch emotional nachzuempfinden und wirklich zu spielen. Wenn jemand auf der Leinwand richtig heult, sollte ich das im Synchronstudio genauso tun. Das kann ich nur schauspielerisch lösen, indem ich die entsprechende Haltung einnehme.

Was halten Sie von der gängigen Politik, im Animationsfilm nicht nur Synchronprofis, sondern häufig auch populäre Stars und Sternchen einzusetzen?
Das ist natürlich legitim. Die großen Verleiher erzielen dadurch oftmals eine viel größere Aufmerksamkeit und können in der Vorabwerbung ein viel größeres Publikum erreichen. Oftmals sind wirkliche Talente darunter, wie in unserem Fall Joko Winterscheidt. Ich habe mir seine Aufnahmen angehört, er hat es toll gemacht. Ich weiß gar nicht, ob er eine schauspielerische Ausbildung hatte. Manchmal kommen natürlich unglückliche Vorschläge von Verleihern. Ich sollte zum Beispiel mal Herrn Ballack casten. Da denke ich natürlich, dass das vielleicht ein bisschen zu weit geht. Woher soll der arme Mann schauspielerisches Talent hernehmen? Okay, bei Schwalben auf dem Fußballplatz braucht er es vielleicht auch, aber das ist etwas ganz anderes. Ich denke, man sollte schon Leute nehmen, die aus dem künstlerischen Bereich kommen. Ansonsten finde ich es absolut legitim, dass man es so handhabt.

In welcher Beziehung sind Sie selbst „Einfach unverbesserlich“?
Da fällt mir auf die Schnelle gar nichts ein. Ich halte immer die Treue zu meinem Fußballclub, auch wenn es immer hoch und runter geht. Aber das ist vielleicht ein bisschen profan. Ich habe zwei Dauerkarten, einmal bei Hertha BSC und einmal bei St. Pauli.
 

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