“Ich war noch niemals in New York“ : Musicalstar mit Zwölf

Musicaltraining: Für seine Rolle in „Ich war noch niemals in New York“ muss Michael (12, vorn, Mitte) fleißig üben.
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Musicaltraining: Für seine Rolle in „Ich war noch niemals in New York“ muss Michael (12, vorn, Mitte) fleißig üben.

Michael Heidemann spielt den Florian in „Ich war noch niemals in New York“

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25. April 2017, 12:00 Uhr

Michael Heidemann war gerade Mal sechs Jahre alt, als seine Mama Tanja Heidemann mit ihm zu seinem ersten Casting ging. Sie sah sein Talent und wollte seinen Erfolg. Es war ein Casting für die Kinderrolle des kleinen Tarzans im gleichnamigen Musical in der Hamburger Neuen Flora. Er bekam die Rolle. Das ist mittlerweile sechs Jahre her. Seitdem steht der Schüler auf der Bühne. In Haupt- und Nebenrollen, schauspielernd, tanzend, singend: als Tarzan, als Fürst Fagott in der Uraufführung von „Zwerg Nase“ an der Hamburgischen Staatsoper, als Mattes im Musical „Das Wunder von Bern“ und jetzt als Florian in „Ich war noch niemals in New York“.

Auf den ersten Eindruck ist Michael pfiffig, ein wenig vorlaut, cool und verschmitzt. Doch er hat auch eine andere Seite. Er ist fleißig und ehrgeizig, diszipliniert und motiviert. All das braucht es, um Musicaldarsteller zu sein. Und natürlich auch eine Familie, die ihn fördert. Er allein wäre schließlich nie auf die Idee gekommen, zu einem Casting zu gehen. Tanja Heidemann hatte Glück. Ihrem Sohn gefiel die Welt, in die sie ihn brachte.

„Er hat viel Spaß an dem, was er tut“, erzählt Melanie Vollmert-Michaelis. Sie ist die künstlerische Leiterin der Kinderdarsteller am Theater an der Elbe und hat einen strengen Blick auf ihre Schützlinge. Sie bringt die Kinder an ihre Grenzen, achtet aber darauf, dass sie diese Grenzen nie überschreiten. Die Ausbilderin merkt, ob ein Kind aus freien Stücken kommt oder ob es von überehrgeizigen Eltern geschickt wird. Und Michael? Er liebt das, was er tut.

„Er ist nicht nur engagiert, er hat auch Spaß am Besserwerden“, erzählt sie. Seit drei Jahren arbeiten die beiden zusammen, beim Casting für „Das Wunder von Bern“ fiel er ihr das erste Mal unter 200 Kindern auf. Er bekam erst eine Nebenrolle, dann die Hauptrolle in dem Fußballstück. Sie nahm ihn direkt mit zu „Ich war noch niemals in New York“. Dort gibt es nur eine Kinderrolle. Michael spielte sie von Anfang an.

Er war es, der in dem Udo Jürgens-Musical die Premierenbesetzung im Januar spielen durfte – als Florian, den pubertierenden Sohn in einer Dreigenerationen-Geschichte auf hoher See. Er mag die Rolle, es ist viel Schauspiel gefragt. Seinen ersten Einsatz hat er erst 20 Minuten nach Showbeginn. Er lässt es sich anmerken, dass er das doof findet. Lieber sofort und am besten die ganze Zeit auf der Bühne stehen. Laut Gesetz dürfen Kinder nur einmal die Woche auftreten und auch dann nicht später als 23 Uhr und nicht länger als vier Stunden. Wenn es nach Michael ginge, würde er jeden Abend den Florian spielen. In der Realität teilt er sich die Rolle mit 13 anderen Kindern.

Michael ist zwölf Jahre alt. Er hat nicht mehr ewig Zeit. Irgendwann setzt der Stimmbruch ein. Die meisten Kinder kehren danach nie in ein Musical zurück. Unvorstellbar, dass Michael dann „nur noch“ Klavier, Fußball und Tischtennis spielt.

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