Lesetipps : Mord in dörflicher Idylle

Fesselnd: die neuen Krimis
Fesselnd: die neuen Krimis

Provinz-Krimis mit Humor garantieren unterhaltsame Sommerlektüre

svz.de von
14. Juni 2018, 12:00 Uhr

In einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt, glaubt man nur ungern an das Böse. Doch dann passiert Unsägliches. In der Provinz prallen Verbrechen auf die viel beschworene Idylle. Ein weites Feld für Krimi-Autoren, die aus dem Fundus verschrobener Dörfler, kauziger Ermittler und hinterhältiger Krimineller die schönsten Geschichten schöpfen.

Franz Eberhofer ist der Held von Rita Falks Provinz-Krimis, die höchstes Unterhaltungspotential haben. In seinem neunten Fall namens „Kaiserschmarrn-Drama“ muss der bayerische Dorfpolizist wieder alle Register ziehen. Denn Mona, die Neue im Dorf, hat im Internet Stripshows angeboten. Nun liegt sie nackt und tot im Wald. Als wenig später eine zweite Frauenleiche zu beklagen ist, macht das Gerücht von einem Serienmörder die Runde. Der Eberhofer, gestresst von Susis Hausbau-Plänen, vom Ärger mit seinem Kompagnon Rudi und der ständigen Nörgelei seiner Vorgesetzten, greift wieder zu seinen ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden – zum höchsten Vergnügen für alle seine Fans, die Spaß am bayrischen Sarkasmus haben. (Rita Falk: Kaiserschmarrn-Drama. dtv. 300 S., 15,90 Euro)

Nicht die bayerische Provinz, sondern die schottischen Highlands sind die Kulisse, in der Dorfpolizist Hamish Macbeth agiert. Er ist ein kluger Mann, allerdings ohne große Ambitionen. Der Macbeth liebt seinen Garten und seine Hängematte, doch er hat immer auch ein waches Auge auf die Einwohner von Lochdubh, einer idyllisch gelegenen Highland-Gemeinde. Als das Londoner Ehepaar Thomas die alte Villa kauft und eine Ferienpension eröffnen will, ist es mit der Ruhe im Dorf vorbei. „Hamish spuckt Gift und Galle“ heißt der neue Krimi von M.C. Beaton, die unter diesem Pseudonym bereits drei Hamish-Abenteuer veröffentlicht hat.

Trixie Thomas, eine echte Unruhestifterin, wird eines Tages tot in der Villa aufgefunden. Hamish sieht auf den ersten Blick, dass sie vergiftet wurde. In einem Dorf voller Verdächtiger tun sich die angereisten Kriminalkommissare schwer. Doch der stille Dorfpolizist, wieder einmal von den offiziellen Ermittlungen ausgeschlossen, verfolgt eigene Intentionen.

Die unterhaltsame Geschichte, sehr warmherzig mit viel Gefühl für das Wesentliche im Leben erzählt, bietet kurzweilige Lektüre. Dazu tragen die skurrilen Dorfbewohner, der britische Snobismus und eine gute Portion schwarzer Humor erfolgreich bei. (M.C. Beaton: Hamish spuckt Gift und Galle. Bastei Lübbe. 222 S., 9,90 Euro)

Im Allgäu ist Kriminalkommissar Kluftinger zu Hause, der dem neuen Roman von Volker Klüpfel und Michael Kobr auch den Titel gibt, geht es doch diesmal ganz um den Ermittler. Gerade blüht er auf im Familienglück, sein erstes Enkelkind hat ihn verzaubert. Doch dann taucht auf dem Dorffriedhof ein Holzkreuz mit seinem Namen auf, wenig später erscheint in der Zeitung eine ominöse Todesanzeige mit seinem Namen. Adalbert Ignatius Kluftinger wird von einem Unbekannten mit weiteren gruseligen Attacken verfolgt. Natürlich hat er sich in seinem langen Ermittlerleben viele Feinde gemacht, doch bald kann er den Kreis der Verdächtigen einschränken. Nun wird es persönlich, Kluftinger gerät in Lebensgefahr.
Nach fünfzehn Jahren Kluftinger und zehn Romanen ist dieser Band derjenige, in dem der Fokus voll auf dem Kommissar liegt. In vielen Rückblenden wird aus seinem Leben berichtet. Auch bei der Polizeiarbeit dreht sich alles um ihn. Der bissige Humor, mit dem der frische Opa seine Situation meistert, macht in bekannter Weise das besondere Lesevergnügen aus.
(Klüpfel/Kobr: Kluftinger. Ullstein, 480 S., 22 Euro)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen