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Psychothriller : Mit Überraschungen: «Das Verschwinden der Adèle Bedeau»

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Eine junge Frau verschwindet spurlos. Die Polizei eines französischen Provinzstädtchens steht vor einem Rätsel: Welche Rolle spielt der seltsame Bankangestellte? Graeme Macrae Burnets Roman bietet einige Überraschungen.

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 14:56 Uhr

Saint Louis, ein kleines Städtchen im Elsass nahe der Schweiz und Deutschland, irgendwann in den 70er oder frühen 80er Jahren. Hier lässt der Schotte Graeme Macrae Burnet seinen Roman «Das Verschwinden der Adèle Bedeau» spielen.

Vor einigen Monaten hatte Burnet mit dem historischen Krimi «Sein blutiges Projekt» einen überraschenden Erfolg erzielt. Nun liegt sein erster Roman vor, der 2014 im Original erschien.

Wann der Roman spielt, ist nicht so genau zu sagen. Hier, wie auch in vieler anderer Hinsicht, bleibt er seltsam vage. Aber diese Unbestimmtheit ist ein wichtiges Stilelement. Denn die Zeit scheint stillzusehen. Die Menschen sind wie gefangen in Routine. Jede Woche vergeht wie die vorige, immer dieselben Menschen treffen sich an denselben Orten, um immer denselben Dinge zu tun.

Das trifft ganz besonders auf Manfred Baumann zu, die Hauptfigur des Romans. Als Leiter einer Bankfiliale ist er noch relativ jung, aber er hat nichts Junges an sich. Er ist vollständig in der Routine gefangen, bestellt immer das Gleiche im gleichen Restaurant, wäscht seine Wäsche zur selben Zeit und spielt mit den gleichen Kneipenbesuchern Karten. Wie alle Figuren im Roman ist auch Baumann allein, ohne glückliche Bindungen.

In dieser Situation fasziniert ihn Adèle Bedeau, die neue Kellnerin in seinem Stammlokal. Natürlich wagt er nicht, sich der jungen Frau zu nähern, aber er beginnt, sie zu beobachten, geht ihr nach der Arbeit sogar hinterher.

Und dann ist Adèle Bedeau auf einmal verschwunden. Es gibt keine Spur von ihr, aber jemand hat Baumann in der Nähe entdeckt, als sie zuletzt gesehen wurde. Die Polizei schaltet sich ein, um das Verschwinden der Frau aufzuklären. Mit dem Fall betraut wird Kommissar Gorski, auch er ein unglücklicher Mann, der sein Schicksal einfach nur aushalten will. Aber Gorski ist ein begabter Kriminalist, dem Widersprüche in Baumanns Aussagen auffallen.

Die Handlung begleitet die beiden Männer durch die Tage nach Adèle Bedeaus Verschwinden. Baumann fühlt sich immer stärker verfolgt, auch wenn dies tatsächlich nur eingebildet ist. «Vielleicht hatte Gorski diejenigen, die ihn kennen, bereits gebeten, ihn im Auge zu behalten», argwöhnt Baumann. «Er musste sich natürlich verhalten. Das sollte nicht allzu schwer sein. Lebte er nicht ohnehin sein ganzes Leben, als würde er ständig beobachtet werden, als rechne er jeden Moment damit, Rechenschaft über seine Taten ablegen zu müssen?»

Aus einer sehr distanzierten Perspektive begleitet der Roman Manfred Baumanns Weg in einen immer stärker werdenden Verfolgungswahn. Sein ursprünglich äußerst kontrolliertes Verhalten wird immer irrationaler. Aber welche Rolle spielt er tatsächlich beim Verschwinden von Adèle Bedeau? Diese Frage lässt Burnet bis zum Ende offen. Die Auflösung kommt dann als große Überraschung, die so manchen Lesen erstaunen wird.

- Graeme Macrae Burnet: Das Verschwinden der Adèle Bedeau, Europaverlag, 288 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-95890-125-4.

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