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Jubiläum : Mit den Augen Falladas

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fallada-Gesellschaft begeht 25-jähriges Bestehen in Berliner Landesvertretung

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Er hatte einen scharfen Blick für Milieus und den Alltag der Menschen, für die kleinen Details des Lebens und wurde dank dieser Eigenschaft zu einem der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Und was er nun in der Vertretung des Landes Mecklenburg Vorpommern in Berlin hätte beobachten können, war ein Abend zu seinen Ehren, zu Ehren seiner literarischen Bewahrer, ein Abend voller Details, die ihn sicherlich gefreut hätten. Die Rede ist von Hans Fallada, geboren als Rudolf Ditzen in Greifswald, und von der Hans-Fallada-Gesellschaft, die anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens in die Hauptstadt eingeladen hatte.

Zwischen Rückschau, Lesung, Film und Musik war es vor allem eine Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen – tummelten sich doch Verleger, Autoren, Schauspieler, Regisseure und weitere Fallada-Freunde unter den Gästen. „Der Veranstaltungsort ist für uns natürlich auch eine Würdigung unserer Arbeit, aber vor allem bietet er die Möglichkeit, das Augenmerk auf unser Ziel zu legen – das Leben Falladas und seine Werke lebendig zu halten“, betonte Dr. Stefan Knüppel, der Leiter des Hans-Fallada-Museums in Carwitz. Erreicht hätte die Gesellschaft in der Zeit ihres Bestehens einiges. „Als gemeinnütziger Verein ein Museum von der Größe zu betreiben, das im Jahr 15 000 Gäste empfängt, ist schon eine Leistung, und es kommt jedes Jahr etwas dazu. So wird in diesem Jahr die Streuobstwiese neu angelegt und das Bienenhaus denkmalgerecht saniert“, berichtete Knüppel.

Seit einigen Jahren gibt es einen Fallada-Boom, der in der Neuauflage des Romans über den Widerstand im Nationalsozialismus „Jeder stirbt für sich allein“ seinen Ursprung hatte. „Der Roman räumt mit Klischees auf und zeigt, dass es auch in dieser Zeit in Deutschland mutige Menschen gab“, sagte Knüppel. „Hierin wird auch gemahnt, eine politische Verrohung nicht zu akzeptieren und damit ist der Roman gerade heute aktueller denn je“, fügte Dr. Pirko Kristin Zinnow, Bevollmächtigte des Landes beim Bund, hinzu. Der Autor sei ein Glücksfall für das Bundesland.

Vor allem das Dorf Carwitz, wo der Autor von 1933 bis 1944 lebte, stand im Mittelpunkt des Abends. Schauspielerin Carina Wiese las Falladas Beschreibungen über den Hauskauf und war selbst voll des Lobes für diesen Ort: „Das ist einer der schönsten, stillsten Erdenflecken und einfach ein zauberhaftes Anwesen.“

Eine Kulisse, die auch Regisseur Christoph Weinert für seine Filmbiografie „Fallada im Rausch des Schreibens“ verwendete. „Der Film ist gestern fertig geworden. Die Räume und der Ort haben eine bedeutende Energie und dadurch habe ich auch MV als Filmland entdeckt“, erzählte Weinert, der mit Hauptdarsteller Michael Schenk nach Berlin gekommen war und einen ersten Auszug des Films zeigte, der im September auf Arte ausgestrahlt werden soll.

Doch waren und sind es vor allem die Leser, die das Werk des Schriftstellers am Leben halten. „Die Bücher sind einfach wunderbar, und es ist für mich auch die Literatur zum anfassen, die ich jeden Tag erlebe, die es einzigartig macht“, erzählt Jonas Simon, der als FSJ-ler im Museum arbeitet.

Für den Abend haben sich die Organisatoren noch etwas Besonderes einfallen lassen: Aufgetischt wurden ausschließlich Speisen, die Fallada mochte und deren Rezepte kürzlich im Buch „Köstliche Zeiten“ erschienen sind. Ein Detail, das Fallada sicherlich auch gefallen hätte.

 

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