Wacken : Metal-Fieber in der Provinz

Anreise  im   Zug…
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Anreise im Zug…

Wacken wieder Mittelpunkt der Heavy-Metal-Szene.

svz.de von
31. Juli 2014, 11:50 Uhr

Eines der Ortsschilder in Wacken ist aus Angst vor Souvenirjägern abmontiert, auf den Kuhwiesen sind bereits Tausende Zelte aufgebaut. Offiziell startet das Heavy-Metal-Spektakel im schleswig-holsteinischen 1800-Seelen-Dorf Wacken zwar erst heute. Doch schon am Tag vor dem Wacken Open Air, zu dem 75 000 Metalfans aus aller Welt erwartet werden, dominiert auf der kleinen Hauptstraße des Ortes die Farbe schwarz.

Vor der Bäckerei sitzt ein 50 Jahre alter Mann aus dem Sauerland, den seine Freunde „Mauerspringer“ nennen. Mit einer Ausnahme war er seit 1998 immer bei dem laut Veranstalterangaben größten Heavy-Metal-Festival der Welt dabei. „Seitdem muss ich immer wieder hin, das ist hier wie Karneval, man kann nicht mehr davon lassen.“ Ähnlich geht es der Wackenerin Marianne Breiholz: „Ich freue mich schon das ganze Jahr darauf“, sagt die 71-Jährige. Das Open Air sei für den kleinen Ort wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten zusammen.

Breiholz und viele andere Wackener haben sich mit den wilden Tagen Anfang August arrangiert. Viele von ihnen profitieren von dem Spektakel. Bei Breiholz übernachten allein sechs Metalfans. Verdienen wolle sie an dem Festival aber nicht. „Die zahlen mir nur Strom und Wasser.“ Negative Erlebnisse hat Breiholz bislang nie gemacht. Nur mit der Musik von Accept, Motörhead, Megadeath und Co., die dieses Jahr unter anderem spielen, kann sie nicht allzuviel anfangen: „Mir ist das einfach zu laut.“

Zu den kleinen Nutznießern des Festivals gehört auch der 13-jährige Basti. An sein Tretauto hat er einen Hänger montiert, damit verkehrt er regelmäßig zwischen einem Supermarkt im Ortskern und dem 220 Hektar großen Festivalgelände. „Damit transportiere ich bis zu zwölf Paletten“, sagt er. Zehn Euro sei der durchschnittliche Tourenpreis.

Kurz vor dem Start läuft die Maschinerie in Wacken bereits auf vollen Touren. 1990 hatte bei der Premiere hingegen alles noch eher stockend begonnen. Das aus einer Bierlaune von den beiden Wackenern Holger Hübner und Thomas Jensen gegründete Open Air hatten damals gerade einmal 800 Leute besucht. In den ersten Jahren machte das Duo mit dem Festival immer wieder Verluste. Für dieses Jahr waren alle Tickets bereits kurz nach Ende des Open Air 2013 weg.

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