Auf Umwegen : Max Giesinger singt über «Die Reise» zum Chartstürmer

Max Giesingers Karrierestart war etwas holprig.
Max Giesingers Karrierestart war etwas holprig.

Mit seinen Songs läuft Max Giesinger im Radio rauf und runter, der Badener ist ständig auf Tour. Auf seinem neuen Album singt er darüber, nie ankommen zu wollen.

svz.de von
26. November 2018, 06:00 Uhr

Es ist sieben Jahre her, da steht ein junger Mann im weißen T-Shirt auf der Showbühne und präsentiert bei «The Voice of Germany» die rockige Powernummer «Sex On Fire».

Heute singt der damals Unbekannte auf deutsch und gehört zu den bekanntesten Popmusikern. Jetzt hat Max Giesinger sein drittes Album «Die Reise» herausgebracht.

Dabei thematisiert der 30-Jährige auch das bisherige Auf und Ab seiner Karriere. Die Reise vom Finalisten der Castingshow 2012 bis zum heutigen Chartstürmer verläuft nämlich auf Umwegen. Nach seinem TV-Erfolg merkt Giesinger schnell, dass es im Musikgeschäft vor allem um Geld geht. Er will sich aber nicht verbiegen, lässt einen Plattenvertrag platzen und denkt kurz ans Aufgeben.

«Silvester 2013 hatte ich das Gefühl, dass das alles nichts bringt, weil mir die Labels reihenweise abgesagt hatten. Da dachte ich: 'Ich mache jetzt Rockmusik'.» Nach einem kurzen Abstecher in eine Rockband sammelt Giesinger dann aber das Geld für sein erstes Album anhand von Fanspenden.

Über 20.000 Euro nimmt der Badener ein und produziert davon 2014 in Eigenregie «Laufen lernen». Die Platte schafft es nicht in die Charts, aber die Plattenfirma BMG nimmt Giesinger unter Vertrag. Zwei Jahre später folgt mit der Single «80 Millionen» und dem Album «Der Junge, der läuft» der Durchbruch.

«Ich habe ordentlich Lebenserfahrung in den vergangenen Jahren sammeln dürfen, vor allem durch die Rückschläge zu Beginn. Ich denke, die waren ziemlich wichtig, um das, was danach passiert ist, besser genießen zu können», erzählt Giesinger im dpa-Interview.

Auf den 13 neuen Songs singt der Songwriter über ausverkaufte Hallen, aber auch die Schattenseiten des ständigen Unterwegsseins. «Wann halt ich an und hör auf wegzulaufen? Weil ich Zuhause vermiss, wo auch immer das ist», heißt es auf der Single «Zuhause».

Im heimischen Busenbach bei Karlsruhe kommt Giesinger nur alle paar Monate mal vorbei, in seiner Wohnung im Hamburger Schanzenviertel ist er auch nur selten. Auch wenn er mittlerweile versucht, mehr Ruhepausen einzuplanen. «Du musst auch mal etwas innehalten und kannst nicht immer unterwegs sein. Man darf nicht vergessen, dass es auch noch ein Privatleben gibt. 2016 ist das etwas aufs Abstellgleis geraten.»

Die eingängigen Radionummern («Legenden», «Rucksack») und Balladen («Leerer Raum») auf Giesingers Album sind gut produzierter Mainstream-Pop, bei dem der Ex-Castingshow-Teilnehmer persönlich wird. In «Die Reise» singt er etwa von seiner alten Clique und davon, was aus den Freunden von damals geworden ist.

«Katie hat jetzt Kinder, wir haben kaum noch Kontakt. Kolja macht Sozialarbeit und Mark hat's nicht gepackt.» Das Leben als Promi habe bei ihm zu einer Art Entwurzelung geführt, die er mittlerweile hinterfragt. «Manche heiraten, andere haben Kids und das erste Häuschen. Und ich bin immer noch mit Vollgas auf der Autobahn unterwegs und denke mir dann: 'Die sind ja schon alle ein gutes Stück weiter angekommen als du selbst'. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.»

Ankommen und Ruhe finden wird Giesinger allerdings so schnell nicht. Nach einem Januar-Urlaub mit elf Freunden in Thailand steht im Frühjahr die für ihn bislang größte Deutschland-Tour an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen