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Später erster Eindruck : Mankells «Der Sandmaler» erscheint auf Deutsch

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Einer der ersten Romane aus der Feder von Henning Mankell kommt nach Jahrzehnten erstmals in Deutschland heraus. «Der Sandmaler» liefert einen spannenden Einblick in das frühe Wirken des beliebten Schweden.

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erstellt am 29.Aug.2017 | 10:06 Uhr

Es ist ein leichtfüßiger Roman mit schweren Themen, 160 Seiten dünn. Als der Schriftsteller Henning Mankell den «Sandmaler» schreibt und sich damit zum ersten Mal auf literarische Weise nach Afrika begibt, ist er noch ein junger Kerl.

Es ist erst sein zweiter Roman. Als er 1974 in Schweden erscheint, ist der Schwede gerade einmal 26 Jahre alt. Mehr als vier Jahrzehnte später kommt die Geschichte einer Afrikareise nach Mankells Tod jetzt auch in Deutschland auf den Markt.

Die Protagonisten sind nicht viel jünger als der Autor selbst es beim Schreiben ist. Sie haben gerade die Schule hinter sich und begeben sich getrennt voneinander auf eine Reise nach Afrika, in ein nicht namentlich genanntes Land. Doch während die empathische Elisabeth in die Welt der Einheimischen eintaucht und versucht, das fremde Land zu verstehen, ist Stefan, Sohn reicher Eltern, vor allem auf Partys und Sex mit afrikanischen Frauen aus.

Zufällig treffen sich die beiden am Flughafen. «Zuerst standen sie nur da und starrten einander an, fünfzehn Meter voneinander entfernt.» Doch Stefans Art geht Elisabeth schon im Flugzeug auf die Nerven, als er «idiotische Negerwitze über Riesenpimmel und dergleichen» macht.

Im «Sandmaler» taucht Mankell zum ersten Mal in das Afrika ein, das ihn sein Leben lang beschäftigen wird, und vielleicht kommen dem Leser die Beobachtungen, die er schildert, deshalb noch naiv vor, und die Figuren schablonenhaft und bei Weitem nicht so vielschichtig wie in seinen späteren Romanen.

Er beschreibt, wie die Gefühle Elisabeth bei der Ankunft übermannen, wie all die neuen Eindrücke zuviel für die junge Frau sind. «Unvermittelt fing sie an zu weinen, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte.» Später wird sie Einheimische in den Slums besuchen und von einem Lehrer mehr über die afrikanische Kultur lernen.

Stefan dagegen, der mit selbstsicherem Lächeln in der Bar seines Luxushotels sitzt, fühlt sich «auf eine unverschämte Weise geil. Für einen weißen Typen mit reichlich Kohle gab es hier in den Nächten bestimmt genügend Abwechslung», sinniert er. Es dauert nicht lange, bis er die erste Afrikanerin mit in seinen Bungalow nimmt, auch wenn ihn die struppigen Haare vieler einheimischen Frauen stören.

Es braucht nicht viel, um sich auszureimen, auf wen die Reise großen Eindruck macht und wer von den beiden nach der Rückkehr einfach weitermacht wie bisher. Als sich die Protagonisten ein halbes Jahr später noch einmal treffen, kommt es Stefan vor, als habe sich Elisabeth «von ihm losgerissen und nicht erzählt, wohin sie unterwegs war. Und das machte ihn unruhig».

Mankells erster Afrika-Roman ist vor allem für Fans des schwedischen Autors in der Abgrenzung zu seinen späteren Werken interessant zu lesen, aber auch für Mankell-Einsteiger geeignet. Im Vergleich zum 500 Seiten dicken letzten Roman des Schriftstellers, «Die schwedischen Gummistiefel», den der Schwede vor seinem Krebstod 2015 schrieb, ist es eine ziemlich kurze Geschichte aus der Perspektive eines neugierigen jungen Mannes. Sie erlaubt auf 160 Seiten einen ganz anderen Blick auf den Schöpfer des schwermütigen Kommissars Wallander.

- Henning Mankell: Der Sandmaler. Übersetzt aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Paul Zsolnay Verlag, 160 Seiten. ISBN 978-3552058545.

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