Manege frei für Ulrich Tukur!

Felix Murot (Ulrich Turkur) ermittelt undercover im Zirkus.
Foto:
Felix Murot (Ulrich Turkur) ermittelt undercover im Zirkus.

svz.de von
09. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Zugegeben, die beiden bisherigen „Tatorte“ mit Ulrich Tukur fielen heftig aus dem Rahmen. Zum einen, weil die Figur der Wiesbadener LKA-Spürnase Felix Murot so exzentrisch und eigenbrötlerisch angelegt ist, dass sie das Teamwork der anderen „Tatort“-Kollegen bewusst konterkariert. Zum anderen, weil der jeweilige Mordfall nicht unbedingt Gegenstand der Handlung, sondern eher schauriges Dekor einer beispiellosen Tukurschen Selbstinszenierung ist.

Eines Gastspiels im billigen Unterhaltungsfach, quasi, das Tukur womöglich als Gnadenakt an ein Massenpublikum versteht, das sich nach ihm verzehrt. Kommen ihm doch sonst nur anspruchsvolle Großproduktionen in die Tüte („Rommel“, zuletzt im Kino: „Exit Marrakech“). Und zwischen Begeisterung und Verwirrung, hat sich auch gestern Abend sicher mancher gefragt: Was hat das noch mit einem „Tatort“ zu tun?
Gar nix! Denn gestern erreichte Tukurs One-Man-Show einen ganz neuen Höhepunkt. Nicht er füllte eine komplexe Geschichte mit seiner schauspielerischen Hybris, sondern die Geschichte war gleich so konstruiert (Buch und Regie: Justus von Dohnányi), dass der Meister allen seinen Affen Zucker geben konnte. Sei es als Kripo-Superhirn oder als Frauenschwarm, als melancholischer Chef von LKA-Puttchen Magda Waechter (superb: Barbara Philipp) oder als singender Clown und Klaviervirtuose.

Und wo ließen sich all diese Plaisierchen am besten abfilmen? Natürlich im Zirkus. Zwischen miesepetrigen Artisten (u.a. Uwe Bohm, Jevgenij Sitochin, Josef Ostendorf) und leicht verliebten Tänzerinnen (Dorka Gryllus). Illumination, Magie und doppeltes Spiel pur. Klar, dass dann der obligate Mord auch nur eine von vielen zirkusreifen Nummern war (Victoria Trauttmansdorff). Akrobaaat, schööön!

Mehr Staffage brauchte es nicht, um sich auf diesen Krimi aus dem traurig-schönen Zirkus einzulassen. Einen Krimi, der alles war: lustvolle Nabelschau, tragikomisches Versteckspiel und mörderisches Varieté. Nur eben kein „Tatort“. Aber wen interessierte das – bei dieser Tukur-Gala?

„Tatort – Schwindelfrei“, 20.15 Uhr, ARD


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen