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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel : Märchenhafter Klassiker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vor 40 Jahren lief „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zum ersten Mal im Weihnachtsprogramm

svz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 20:16 Uhr

Kein Weihnachten ohne diesen Klassiker: Erst mit dem wunderschönen Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kommt für die vielen Fans zum Fest die richtige Stimmung auf. Vor 40 Jahren, am 26. Dezember 1975, lief die romantische Geschichte zum ersten Mal im westdeutschen Fernsehprogramm – seitdem gehört sie zu Weihnachten wie Christbaum und Lametta.

„3HfA“, wie Anhänger den Titel gerne abkürzen, war 1973 in der DDR und der Tschechoslowakei gedreht worden. Seit einer Weile nimmt der Kult um den Film ganz neue Dimensionen an. Kein Wunder, schließlich sind diejenigen, die den TV-Klassiker als Kind gesehen haben, inzwischen erwachsen und sitzen mit nostalgischen Gefühlen vor dem Fernseher.

Die Vermarktung der herz-erwärmenden Märchenadaption läuft auf Hochtouren. Im Handel sind diverse DVD-Versionen erhältlich, unter anderem als Geschenkbox inklusive schimmernder Aschenputtel-Halskette. Es gibt Adventskalender mit Filmmotiv und Longdrink-gläser mit dem Antlitz der Titelheldin, die berühmte Filmmusik kann man als Notenauszug kaufen. Bei Aschenbrödel-Partys schlüpfen die Herren in Strumpfhosen und die Damen in romantische Kleider, in Musical-Vorstellungen in Dresden oder Chemnitz kommen zum Teil echte Tiere auf die Bühne. Auf Schloss Moritzburg bei Dresden, einem der Drehorte, gibt es eine überaus gut besuchte Ausstellung zum Film.

Als der Kinderkanal kürzlich schon am ersten Advent vorpreschte und den TV-Klassiker ausstrahlte, holte er märchenhafte Quoten: 2,2 Millionen sahen mittags zu, der Spartenkanal war sogar Marktführer vor ZDF oder RTL.

Im Weihnachtsprogramm gibt es nicht nur eine Doku über die Entstehung des Films (26.12., 15.15 Uhr, MDR), der Streifen läuft auch rauf und runter: Fünfmal Heiligabend und mehrmals am 25., 26. und 27. Dezember bei zahlreichen ARD-Sendern.

„Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht. Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht…“ Welchem Fan wird nicht warm ums Herz bei dem Rätsel, das Aschenputtel dem Prinzen stellt? Erst wenn er die Aufgabe gelöst hat, darf er sie als Braut auf sein Schloss führen, wo Papa König und Mama Königin schon warten. Es ist vor allem ein weibliches Publikum, das die Geschichte liebt und die Texte in weiten Teilen auswendig mitsprechen kann.

Vorlage für „3HfA“ von Regisseur Vaclav Vorlicek war die Fassung der tschechischen Schriftstellerin Bozena Nemcova (1820 – 1862). In ihrem Märchen, einer Variante des Aschenputtel-Mythos’, wächst ein verwaistes und von allen nur Aschenbrödel genanntes Mädchen bei seiner Stiefmutter auf, wird schlecht behandelt und als Dienstmagd ausgebeutet. Ihre einzigen Freunde sind die Tiere: das Pferd Nikolaus, der Hund Kasperle und die Eule Rosalie, die als Schatz drei Zaubernüsse hütet.

Als Aschenbrödel einen jungen Prinzen kennenlernt, erscheinen aus den Haselnüssen nacheinander ein Jagdkostüm, ein Ballkleid und ein Hochzeitskleid: Alles, was sie braucht, um den Prinzen zu gewinnen, es der fiesen Stiefmutter heimzuzahlen und glücklich zu werden.

Schon viele Experten haben sich darüber den Kopf zerbrochen, warum ausgerechnet die 70er-Jahre-Verfilmung des altbekannten Stoffes so viele Menschen derart in ihren Bann schlägt. Der Schlüssel liegt zum einen in der betörend schönen Musik von Karel Svoboda. Zum anderen in der tschechischen Schauspielerin Libuse Safrankova als Hauptdarstellerin, deren Aschenbrödel eine klitzekleine Nähe zu Pippi Langstrumpf attestiert wird: Sie ist emanzipiert, keck und sportlich, zugleich bescheiden, tapfer und edel, dabei immer graziös und wunderhübsch – einfach eine märchenhafte Identifikationsfigur.

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