zur Navigation springen

Rassismus-Debatte : Lit.Cologne Spezial: Zadie Smith verteidigt Fred Astaire

vom

War der Tänzer Fred Astaire ein Rassist, weil er in «Swing Time» mit schwarz geschminktem Gesicht aufgetreten ist? Nein, im Gegenteil, sagt Zadie Smith, selbst Tochter einer jamaikanischen Einwanderin.

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 07:57 Uhr

In vielen derzeitigen Diskussionen über Rassismus wird nach Meinung der britischen Autorin Zadie Smith («Zähne zeigen») der historische Kontext vernachlässigt. 

«Dinge haben unterschiedliche Bedeutungen zu unterschiedlichen Zeiten», sagte die 41-Jährige am Dienstagabend zum Auftakt des Literaturfestivals Lit.Cologne Spezial in Köln.

Den Kontext auszuklammern, sei schlichtweg dumm, kritisierte sie. «Ich finde, viele junge Aktivisten haben heute so die Haltung, dass jeder in der Geschichte eine Art Idiot gewesen ist, der offenkundige Dinge etwa über Feminismus oder Minderheitenrechte nicht eingesehen hat. Nach dem Motto: Was war bloß los mit all diesen Leuten von 1320?» 

Als Beispiel dafür nannte sie eine Diskussion in den USA über eine Darbietung von Fred Astaire aus dem Filmmusical «Swing Time» von 1936. Der berühmte Tänzer tritt darin mit schwarz geschminktem Gesicht auf. Nach Meinung von Smith ist diese Szene nicht als rassistisch zu bewerten, sondern im Gegenteil als Hommage an eine große schwarze Tanztradition. Dies werde an kleinen Details deutlich, etwa dadurch, dass sich Astaire keine wulstigen roten Lippen geschminkt habe und nicht mit den Augen rolle. «Es sind die Einzelheiten, die ich bei diesen historischen Fällen interessant finde», sagte sie. 

Der neueste Roman von Zadie Smith trägt ebenfalls den Titel «Swing Time». Die gebürtige Londonerin, Tochter einer Einwanderin aus Jamaika, lebt derzeit mit ihrer Familie in New York, wo sie eine Professur für kreatives Schreiben hat.

Verlagswerbung zu "Swing Time"

Fred Astaire in "Swing Time"

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen