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Rückkehr : Liesborner Evangeliar zurück im Münsterland

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Die Handschriftensammler der Welt rissen sich um dieses Werk. Jetzt ist das gut erhaltene Liesborner Evangeliar wieder zurück an seinem Entstehungsort.

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erstellt am 28.Aug.2017 | 16:31 Uhr

85 Rinder ließen für das Liesborner Evangeliar ihr Leben. Der moderne Buchdruck wurde erst rund 500 Jahre später erfunden. Wer die Berichte der vier Evangelisten verewigen wollte, musste im Jahr 980 mit seiner Handschrift auf Pergament schreiben.

Mehr als 1000 Jahre später ist das Evangeliar ein historischer Kunstschatz, der für glänzende Augen sorgt - ganz besonders im Münsterland.

Elisabeth Schwarm leitet dort das Museum Abtei Liesborn. Ab 2019 soll das Evangeliar, eine mehr als 1000 Jahre alte Handschrift der Evangelientexte, als Hauptattraktion das Haus im Kreis Warendorf schmücken und auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. «Das Buch ist über die Jahrzehnte durch die Sammlungen dieser Welt gegangen. Deshalb ist es jetzt ein großer Glücksfall, dass es zurück in Liesborn ist», sagt Schwarm am Montag bei der Präsentation. Dass Rinderhaut als Grundlage dient, ist an mehreren Stellen gut zu erkennen. «Für die Löcher haben keine Motten gesorgt. Die waren von Anfang an da. Wer da geschrieben hat, tat dies um die Löcher im Pergament herum», sagt Landrat Olaf Gericke (CDU) bei der Präsentation des Werks.

Er hatte für den Kreis Warendorf den Kauf vorangetrieben. 2015 war das Liesborner Evangeliar auf der Kunstmesse TEFAF in Maastricht für sechs Millionen Euro angeboten worden. «Es war aber wohl klar, dass dieser Preis auf dem Markt nicht zu erzielen sein würde», sagt Schwarm heute. Zuvor war es 214 Jahre lang durch die Hände verschiedener Kunstsammler auf der ganzen Welt gegangen. Liesborn verlassen hatte das heute über 1000 Jahre alte Werk, nachdem das Benediktinerkloster 1803 aufgelöst worden war.

«Da wurde alles zu Geld gemacht», sagt Schwarm. Nach einem Zwischenstopp in der Bibliothek der Uni Münster ging das Evangeliar auf große Welttournee. Darunter waren Stationen in Philadelphia, Los Angeles, New York, Paris, Oslo und Maastricht.

Dass der Kreis Warendorf am Ende die Nase vorn haben würde, war nicht ausgemacht. Noch 1987 hatte die Öffentliche Hand bei einer Versteigerung bei Christie's das Nachsehen. Damals ging das Evangeliar, das im Mittelalter auf dem Altar lag und in die Liturgie der Messe integriert, aber nicht benutzt wurde, für 1,4 Millionen D-Mark an die Schoyen Collection nach Norwegen.

«Ein Gutachter hatte den Wert auf drei Millionen Euro geschätzt. Wir durften deshalb keinen Cent mehr bezahlen», erzählte Gericke über die Zeit der Verhandlungen mit der amerikanischen Kunsthändlerin Sandra Hindmann. Schlaflose Nächte habe er nicht gehabt, sagt der Landrat. Etwas Besonderes sei es aber schon gewesen.

Bei der Finanzierung geholfen haben der Bund, das Bistum Münster und verschiedene Stiftungen aus der Region. Auch die vorherige Eigentümerin Hindmann war bei der Präsentation anwesend. Als Schwarm das Buch mit weißen Handschuhen vorsichtig aus einer schwarzen Sicherheitskiste holt und den Sponsoren und der Öffentlichkeit den Kunstschatz präsentiert, steht Hindmann bescheiden in der letzten Reihe - mit strahlenden Augen.

Das Liesborner Evangeliar gilt als Ausnahme, was seinen guten Zustand betrifft. «Alle Sammler wollten natürlich den Wert erhalten und haben es deshalb wohl sehr gut behandelt», sagt die Museumschefin.

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