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Echo für die Puhdys : Lebens-Soundtrack für Millionen Menschen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Puhdys erhalten heute einen Echo für ihr Lebenswerk – keine andere deutsche Rockband, die bereits in den 60ern aktiv war, hat eine derartige Popularität erreicht

Die Puhdys haben es geschafft, die Menschen in Ost und West zu begeistern. In der DDR ging die Karriere der Puhdys 1973 mit ihrem Part im DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“ so richtig los. Die dort gespielten Songs „Wenn ein Mensch lebt“ und „Geh zu ihr“ sind heute Evergreens. Mit „Hey, wir woll’n die Eisbärn sehn“ wurden sie später auch im Westen Deutschlands berühmt. Heute bekommen die Puhdys den Echo für ihr Lebenswerk. Eine verdiente und längst überfällige Ehrung. Denn keine andere deutsche Rockband, die bereits in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts aktiv war, hat eine derartige Popularität erreicht.

Die einstigen DDR-Rocker gehören längst zum gesamtdeutschen Rock-Adel. Das betont auch Dieter Gorny, Vorstandschef des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), der den Musikpreis heute Abend im Rahmen einer opulenten TV-Show auf dem Berliner Messegelände verleihen wird: „Puhdys-Songs wie ,Alt wie ein Baum‘, ,Ikarus‘ oder ,Wenn ein Mensch lebt‘ haben für viele Menschen identitätsstiftende Bedeutung. Ihre Musik hat Grenzen überwunden, die einst als unüberwindbar galten und im persönlichen Lebens-Soundtrack von Millionen von Menschen in ganz Deutschland wegweisende Spuren hinterlassen."

Eine ganze Reihe von tiefen Spuren hinterließen die Puhdys auch in Mecklenburg. Hier haben sie viele Fans gewonnen, die der Band seit Jahrzehnten die Treue halten. Die aktuelle Puhdys-Besetzung besteht aus Dieter „Maschine“ Birr, Peter „Eingehängt“ Meyer, Dieter „Quaster“ Hertrampf, Peter „Bimbo“ Rasym und Klaus Scharfschwerdt. Aber auch der seit Band-Gründung über zwei Jahrzehnte tätige Bassist und Band-Manager Harry Jeske ist für die Fans nach wie vor ein „Puhdy auf Lebenszeit“.

Ihren ersten Auftritt hatten die Puhdys am 19. November 1969 zwar im sächsischen Freiberg. Aber es dauerte nicht lange und die Gruppe war auch in den damaligen Nordbezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg recht aktiv. Das war nicht ganz einfach, denn Harry Tisch, damals 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Rostock, verdammte noch im Mai 1971 in aller Öffentlichkeit die Rockmusik „als Lokomotive für die Politik westlicher Prägung, als psychologisches Mittel zur politischen Diversion“. Das war starker Tobak, aber gegen die musikalische Strahlkraft der Puhdys war am Ende auch der strammste Partei-Ideologe machtlos.

Bassist Harry Jeske, der lange Zeit im Fischerdorf Hoben bei Wismar lebte, erinnert sich noch gut an die bewegten Anfangsjahre: „Bereits auf dem Rückweg von unserem ersten Konzert hielten wir in jedem Dorf an, gingen ins Gast- oder Kulturhaus und fragten, ob wir nicht spielen könnten. Da uns keiner kannte, war das schwierig. Ich nervte die Leute so lange, bis ich den einen oder anderen Vertrag in der Tasche hatte. Wir spielten damals fünf Stunden zum Tanz. Als wir dann im Rundfunk liefen und ,Geh dem Wind nicht aus dem Wege‘ auf der Hallo-LP bei Amiga erschien, wurde meine Arbeit als Manager leichter. Natürlich war es unser Ziel, auch mal im Ausland aufzutreten. 1973 sind wir zum ersten Mal in Belgien bei einem Bierfest aufgetreten. 1976 haben wir in der Fabrik in Hamburg gespielt. Von da an ging es richtig los.“

Wer die Puhdys noch nicht kannte, erlebte sie im Jahr 1977 im Westfernsehen, als Mike Leckebusch die Gruppe für „Musikladen Special“ zu Radio Bremen holte. Harry Jeske: „Wenn du als Ossi im West-Fernsehen zu sehen warst, dann warst du plötzlich wer. Zuvor war man für viele DDR-Rockfans eher uninteressant, die hörten lieber Led Zeppelin und Deep Purple. Doch mit unserem Auftritt im Westfernsehen stieg die Achtung ganz enorm. So waren viele Fans damals drauf."

Auch nach der Wende schrieben die Puhdys im Norden Rundfunkgeschichte. Bei Start von Antenne MV, dem ersten privaten Rundfunksender in Mecklenburg-Vorpommern, erklang am 31. Mai 1993 ihr Erfolgstitel „Alt wie ein Baum“. Doch damit nicht genug: Peter-Michael Diestel, letzter Innenminister der DDR und damals Präsident des FC Hansa Rostock, bat die Puhdys im Jahr 1994 eine Vereinshymne zu schreiben. So entstand „FC Hansa – Wir lieben Dich total“ und wurde zum Start der Fußball-Bundesligasaison 1994/95 im Ostseestadion Rostock feierlich uraufgeführt. Die Initialzündung aus Rostock sorgte 1997 für einen weiteren Auftrag des Berliner Eishockey-Vereins, der zum populärsten Song der Puhdys in ihrer zweiten Karrierehälfte werden sollte: „Hey, wir woll’n die Eisbär’n sehn!“

Am 23. Oktober 2015 waren die Puhdys im Rahmen ihrer Abschiedstour in der Rostocker Stadthalle zu Gast. Natürlich waren die „Eisbär’n“ auch dort zu hören. Noch touren die Puhdys gemeinsam mit City und Karat im Rahmen der Rock-Legenden-Tournee, der bevorstehende Auftritt am 24. Juni in Schwarzenberg soll der (vorerst?) letzte sein.

 

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