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Kunstvoller Protest großer Musiker

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mecklenburgische Staatskapelle und Opernchor musizierten im Marstall mit Gästen aus Berlin, Hamburg und Leipzig und forderten Hilfe vom Land

svz.de von
erstellt am 25.Nov.2013 | 16:17 Uhr

Es wurde der erwartete grandiose Kunstgenuss im akustisch perfekten Marstall: Mitglieder des Opernchores und der Mecklenburgischen Staatskapelle spielten mit Musikern des Gewandthausorchesters Leipzig, der Staatskapelle Berlin und des Philharmonisches Staatsorchester Hamburg Werke von Verdi, Wagner und Brahms. Das Protestkonzert für den Erhalt der Mecklenburgischen Staatskapelle und des Opernchores des Mecklenburgischen Staatstheaters hätte dabei keine passender Stückauswahl haben können: Dass gerade „Götterdämmerung“ und „Gefangenen-Chor“ erklangen, zeigt, wie dramatisch die Situation in Schwerin ist.

Voraussetzung für dringend notwendige Finanzhilfe des Landes soll ein drastischer Sparplan bis zum Jahr 2020 an der Vorzeigebühne des Landes sein. Vorgesehen sind unter anderem der Personalabbau von 30 Stellen bis 2020, der Abschluss eines Haustarifvertrages für Orchester und Chor, der Wegfall der Montags-Sinfoniekonzerte ab der Spielzeit 2014/2015, die Schließung der Spielstätte werk 3 sowie die Gewinnung eines privaten Betreibers zur Weiterführung im bestehenden Format, die Verringerung der Premieren der Fritz-Reuter-Bühne auf vier Inszenierungen und die Umstellung der Puppenbühne auf einen Gastspielbetrieb (SVZ berichtete). „Wir wollten mit diesem Staatskonzert ein Zeichen setzen“, sagt Thomas Probst, Violinist und Orchestervorstand der Mecklenburgischen Staatskapelle. „Dass Chor und Orchester durch Gehaltsverzicht das ganze Theater retten sollen, ist eine Verantwortung, die wir gar nicht tragen können.“ Zudem sei das ganze Paket zur Sanierung des Schweriner Theaters noch mit vielen Fragezeichen versehen. „Wir sind aber die ersten, die Nägel mit Köpfen machen sollen“, ergänzt Solotubist Florian Heinl.

Die zu hunderten gekommenen Unterstützer passten leider gar nicht alle in den Marstall. Die mehr als 200 Zuhörer, die das Konzert erleben durften, erhielten von den Künstlern zum Musikgenuss gleich den Auftrag mit, sich für das Schweriner Haus stark zu machen. Die E-Mail-Adressen von Ministerpräsident Erwin Sellering und Kultusminister Mathias Brodkorb prangten groß an den Wänden, auf Postkarten an den Minister waren die Forderungen notiert: Der Erhalt aller Stellen und die künstlerische Entwicklung von Kapelle und Chor sowie der Kinder- und Jugendarbeit der Staatskapelle, ein attraktiver Spielplan mit überregionaler Ausstrahlung und eine zukunftsfähige Finanzierung des Kulturstandortes Schwerin. „Wenn sich nichts bis 2020 ändert, hätten wir 30 Jahre Kulturabbau in Schwerin“, sagt Thomas Probst. „Wenn Stellenabbau und Gehaltsverzicht in Chor und Orchester das Theater und die Stadt aus der Finanznot retten könnten, hätte sich dieser Effekt bereits seit Langem einstellen müssen, denn Chor und Orchester verzichten bereits seit fast 20 Jahren auf Lohn und Stellen – allein die Mecklenburgische Staatskapelle ist bereits von 108 auf 66 Musiker geschrumpft“, erklärt Thomas Probst. Die neuen Kürzungen im 450. Jubiläumsjahr des drittältesten deutschen Orchesters bedeuteten den schleichenden Tod dieses traditionsreichen Klangkörpers: Werke der Spätromantik – auch von Wagner – könnten nicht mehr gespielt werden. Ein Stellenabbau durch Nichtbesetzung freiwerdender Stellen sei zwar sozialverträglich, für Klangkörper und Chor ziehe er aber eine unproportionale Überalterung der Ensembles nach sich. Der Sparkurs gefährde die gesamte Kulturlandschaft.

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