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Neues Gesetz : Kulturgutschutz mit ersten Folgen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Leihgeber sind verunsichert, Museen fürchten um Ausstellungsprojekte - das neue Gesetz sorgt weiter für Irritationen

Das umstrittene neue Kulturgutschutzgesetz zeigt in deutschen Museen erste Auswirkungen. Leihgeber sind verunsichert, vereinzelt haben Sammler ihre verliehenen Kunstwerke sogar zurückgezogen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) appellierte, das Gesetz, das den illegalen Handel mit Kunstobjekten verhindern soll und die Ausfuhr von „national wertvollem Kulturgut“ verbietet, offensiv zu verteidigen. „Für die Museen und auch für die privaten Leihgeber verbessert sich sehr viel durch die neuen Regelungen, die Museen sind die Hauptprofiteure dieses Gesetzes“, sagte Grütters.

Diese Botschaft ist offensichtlich noch nicht überall angekommen.„Derzeit scheinen das Gesetz und die Diskussion dazu die Abstimmungen mit Eigentümern von Kunstwerken wie potenziellen Leihgebern zu erschweren“, sagte Sprecherin Tine Nehler von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, einem der großen Sammlungsverbünde in Deutschland. „Es ist für Museen aufwendiger geworden, Überzeugungsarbeit zu leisten und mit ihnen zusammenzuarbeiten, was nicht immer gelingt.“ Für eine Paul Klee-Ausstellung, die für Anfang 2018 in der Pinakothek der Moderne geplant ist, hat das Museum erstmals eine Absage eines Leihgebers bekommen, der sie explizit mit dem Kulturgutschutzgesetz begründete. Die Ausstellung werde aber trotzdem stattfinden können und soll am 1. März 2018 starten.

Eine Sprecherin des Museums Kunstpalast in Düsseldorf sagte, es zeichne sich ab, dass das Kulturgutschutzgesetz die Kooperation mit Sammlern erschweren könne. In zwei Fällen hätten Sammler mit Hinweis auf das Gesetz Werke, die sie dem Kunstpalast als Dauerleihgabe übergeben hatten, nicht für befristete Ausstellungen in anderen Häusern zur Verfügung gestellt. Auch eine vom Kunstpalast gestellte Leihanfrage für eine geplante Cranach-Ausstellung 2017 sei abgelehnt worden.

Auch bei der Bremer Kunsthalle sieht man das Gesetz skeptisch. „Wir befürchten, dass wir zukünftig spannende Ausstellungsprojekte nicht mehr in gewohnter Größe und mit den passenden Werken realisieren können“, sagte Direktor Christoph Grunenberg. So habe sein Haus bei der Vorbereitung einer Max-Liebermann-Ausstellung eine deutliche Verunsicherung bemerkt. „Im Vorfeld haben Galerien und Privatsammler, die dem Haus bisher leihfreudig gesinnt waren, Leihanfragen auf Grund des damaligen Gesetzesentwurfes negativ beantwortet“, berichtete er.

Aus dem Sprengel Museum in Hannover hat ein ausländischer Dauerleihgeber aufgrund des neuen Kulturgutschutzgesetzes bereits seine 13 Werke zurückgezogen. Direktor Reinhard Spieler hofft allerdings, ihm vermitteln zu können, dass Leihgaben aus dem Ausland bei Einfuhr mit einer Rückgabegarantie ausgestattet werden und die Werke wieder zurückkommen. Mit zwei weiteren Leihgebern, die ihre Werke zurückziehen wollen, gibt es dem Direktor zufolge Gespräche.

Grütters sagte, sie erwarte von den Museen, „dass die Verantwortlichen in den Häusern sich jetzt sachkundig machen und ihre Leihgeber über die Vorteile der Neuerungen informieren“. Die CDU-Politikerin verwies auf den jüngsten Fall in Hildesheim. Dort sollte eine Ausstellung mit wertvoller chinesischer Kunst vorzeitig schließen, weil private Sammler ihre Leihgaben aus Verunsicherung über die neuen Regeln zurückziehen wollten. Erst eine ministerielle Zusicherung den Sammlern gegenüber wendete den Eklat ab.

Andere Museen demonstrieren Gelassenheit. Die Staatlichen Museen in Berlin, die insgesamt für 19 Häuser und 15 Sammlungen verantwortlich sind, berichten von keinerlei Komplikationen. Thomas Köhler von der Berlinischen Galerie, Chef des Landesmuseums für Moderne Kunst, sagte: „Selbst wenn Sammler Bedenken hätten, würden wir ihnen erklären, dass ihre Sorgen unbegründet sind.“ Das Gesetz sei keine Gefahr für Sammler, im Gegenteil: Durch die klarere Definition von „national wertvollem Kulturgut“ werde mehr Sicherheit geschaffen.

Ähnlich äußerte sich der Direktor des Bremer Museums Weserburg, Peter Friese. „Ich glaube, das wird total aufgebauscht“, sagte er. Dass aus dem Ausland geliehene Kunstwerke plötzlich von einer Sachverständigenkommission beschlagnahmt werden, kann er sich nicht vorstellen. Bei Leihgaben sei alles vertraglich geregelt. „Wenn mir jemand ein Bild leiht, gebe ich es wieder zurück.“

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