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Expertin : Kritik: Kultur nur für Bildungselite

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Expertin: Die Hälfte der deutschen Bevölkerung besucht niemals Theater, Opern, Konzerthäuser oder Museen

Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen müssen sich nach Ansicht der Hildesheimer Kulturwissenschaftlerin Birgit Mandel künftig mehr an den Interessen der Besucher orientieren. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass das kulturelle Angebot keine Bedeutung für ihr Leben habe, sagte die Professorin für Kulturmanagement und Kulturvermittlung gestern am Rande einer Fachtagung in Berlin. Bis heute beraten bei der Tagung „Mind the Gap!“ rund 150 Kulturschaffende und Wissenschaftler über mögliche Zugangsbarrieren bei der Kulturvermittlung.

Bestimmte Kultur-Einrichtungen ziehen aus Sicht der Expertin oft nur eine „Bildungselite“ an. Rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung besuche niemals Theater, Opern, Konzerthäuser oder Museen. Nur etwa zehn Prozent der Deutschen zählten zu den sogenannten Stammnutzern der öffentlichen kulturellen Einrichtungen. Diese Gruppe sei oft finanziell besser gestellt und verfüge über eine hohe kulturelle Bildung. Aus Steuermitteln dürfe jedoch nicht nur das „Freizeitvergnügen einer kleinen Elite“ gefördert werden.

Junge Menschen interessierten sich dem aktuellen Jugendkulturbarometer zufolge immer weniger für kulturelle Angebote, sagte Mandel. Besonders prägend für diese Entwicklung seien die Eltern. Erst seit etwa fünf Jahren bemühten sich auch die Schulen intensiver darum, kulturelle Bildung zu fördern. Bisher habe dies aber noch nicht zu einem gesteigerten Interesse geführt. Die Bildungsschere gehe immer weiter auseinander und beeinflusse massiv das kulturelle Interesse.

Um das reichhaltige kulturelle Leben in Deutschland zu erhalten, müssten die Einrichtungen ihre Angebote nicht nur „niedrigschwelliger“ vermitteln, sondern auch verändern, forderte die Professorin. „Das heißt nicht, dass nur noch Actionfilme, Pop- oder Rock-Konzerte angeboten werden sollen.“ Nur dem populären Massengeschmack zu folgen, würde das Kulturangebot einschränken. Allerdings feierten Produktionen, die die Besucher mit einbeziehen und teilhaben lassen, große Erfolge. „Das Angebot wird dadurch nicht schlechter.“

Der Wandel in den Einrichtungen brauche Zeit, betonte Mandel. In Deutschland arbeite aber derzeit eine neue Generation von Kunstschaffenden, die sich nicht allein an einen kleinen Kreis von Kulturkennern richte, sondern auf ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zugehe und mit diesen Neues ausprobiere. „Das ist ein unglaublicher Aufbruch. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, haben wir in zehn Jahren eine stark veränderte Kulturlandschaft.“


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