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Deutscher Buchpreis 2017 : Komödien gegen Krisen

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Die nominierten 20 Autoren haben die Jury „gestochen und gebissen“. Viele Junge sind darunter, aber auch sie sind ziemlich wütend.

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erstellt am 16.Aug.2017 | 07:45 Uhr

Es ist nicht gerade schöngeistige Heile-Welt-Literatur, die in diesem Jahr die Longlist für den Deutschen Buchpreis prägt. „Sehr viele Texte gehen mit der Welt äußerst kritisch ins Gericht“, sagt Jury-Sprecherin Katja Gasser. „Das heißt aber nicht, dass alles todtraurig ist. Vieles ist sehr humoristisch.“

Mit ihren sechs Jury-Kollegen wühlte sich Gasser durch 200 Bücher. In den Sitzungen ging es hoch her: Die Liste der 20 Romane, die nun in der Auswahl für den mit 25 000 Euro dotierten  Buchpreis sind, sei „das Resultat von wirklich heftigen Debatten darüber, was gute Literatur ist“, verrät Gasser.  Am 12. September werden die sechs Titel der Shortlist veröffentlicht, vergeben wird der  Buchpreis am 9. Oktober.

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 steht fest. Am Dienstag gab die Jury ihre Vorauswahl bekannt. Die 20 nominierten Romane sind:

  • Mirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co, Juli 2017)
  • Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)
  • Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)
  • Monika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)
  • Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)
  • Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)
  • Jonas Lüscher: Kraft (C. H. Beck, März 2017)
  • Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)
  • Birgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)
  • Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März 2017)
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)
  • Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)
  • Robert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)
  • Sven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)
  • Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)
  • Ingo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)
  • Michael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)
  • Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)
  • Christine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)
  • Feridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

 

Neben spannenden Jungautoren stehen erwartungsgemäß auch alte Bekannte auf der Longlist, allen voran Feridun Zaimoglu, der mit seinem Luther-Roman „Evangelio“ nun schon zum fünften Mal für den Buchpreis nominiert ist. Erfolgsautor Ingo Schulze dürfte mit der Kapitalismus-Komödie „Peter Holtz“ zu den Favoriten zählen, Robert Menasse blickt in „Die Hauptstadt“ hinter die Kulissen der EU-Bürokratie in Brüssel. Auffällig häufig, sagt Jury-Sprecherin Gasser, seien die Hauptpersonen „männliche Figuren mittleren Alters, die in der Krise stecken“. Eine davon ist Walter Nowak, den sich Julia Wolf, Jahrgang 1980, ausgedacht hat, ein Egomane und Erotomane, der schwer angeschlagen ist. In Marion Poschmanns „Kieferninseln“ wird ein gedemütigter Privatdozent gezwungen, sich der Bartforschung zu widmen.

Sven Regener sieht sich bis heute als „Rockmusiker, der Bücher schreibt“. Man kann sich streiten, ob die Band „Element of Crime“ oder Bücher wie „Herr Lehmann“ erfolgreicher waren. In „Wiener Straße“ lebt Frank Lehmann jetzt für die Fans weiter.

Die Bücher auf der Longlist hätten vor allem gemeinsam, dass sie die Jury „gestochen und gebissen haben“, so Jurorin Katja Gasser.

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