Keimzeit : „Kling Klang“ und Tanz

Keimzeit-Frontmann Norbert Leisegang ist Teil der Ballettinszenierung in Gera.
Keimzeit-Frontmann Norbert Leisegang ist Teil der Ballettinszenierung in Gera.

Keimzeit hat sich zuletzt wiederholt auf neues Terrain vorgewagt – jetzt hat die Band ihr Debüt auf der Ballettbühne gefeiert

svz.de von
10. November 2014, 12:00 Uhr

Erst ist nur das Bild eines Sonnenaufgangs am Meer zu sehen. Nach und nach kommen Tänzer – zombiegleich – eine Rampe hinauf auf die Bühne, uniform nur mit hautfarbener Unterwäsche bekleidet. „Schmetterlinge verkleiden sich bunt und tanzen im Untergrund“, singt Norbert Leisegang, Frontmann der Rockband Keimzeit. Stück für Stück erobert die Compagnie des Thüringer Staatsballetts den Raum, die Tänzer wandeln sich zu Individuen, verkleiden sich und nehmen einen stilisierten Wohnblock in Besitz. Einer Puppenstube gleich gewährt er dem Zuschauer Einblick in unterschiedliche Wohnungen und letztlich in verschiedene Leben.

Was die Zuschauer am Freitagabend am Theater Gera erlebten, ist ein Novum für die Gruppe Keimzeit, die vor mehr als 30 Jahren in Bad Belzig (Brandenburg) gegründet wurde und längst nicht mehr nur eine „Ostband“ ist. Für den Ballettabend steht sie nicht nur mit ihrem Namen und mit ihrer Musik Pate, sondern auch live auf der Bühne. 28 ihrer Lieder hat Ballett-Chefin Silvana Schröder – ein bekennender Keimzeit-Fan – aus rund 150 Titel ausgewählt: Hits wie „Kling Klang“ und „Projektil“ ebenso wie seltener gespielte Titel und Lieder jüngeren Ursprungs à la „Der verkaufte Kasper“.

Schröder erzählt mit den Mitteln des Balletts eigene, berührende Geschichten und erschließt den Zuschauern auf diese Weise neue Zugänge zur Musik von Keimzeit. Es sind Geschichten von Liebe, Sehnsucht, Freude, von Abgründen des Lebens, Tod, Einsamkeit und Glück, die immer wieder ineinander übergehen. Die Ballett-Chefin findet sehr poetische, teils melancholische Bilder. „Wärst du nur der eine Mensch, der mich um sich haben will – es würde mir genügen“, singt Leisegang. Dazu steht eine Telefonzelle auf der Bühne, es klingelt. Doch als der Tänzer zum Hörer greift, hat der Anrufer schon wieder aufgelegt und nur das Freizeichen ist zu hören – „Nur diese eine Chance“. Später rieseln Schneeflocken auf den Enttäuschten herab.

Das Thüringer Staatsballett verhilft Keimzeit zu einem gelungenen Einstand auf der ungewohnten Bühne. Das Ergebnis ist ein lockerer und inspirierender Tanzabend, der ganz offensichtlich den Nerv des Publikums trifft. Das Gros der Premierengäste jedenfalls hielt es am Freitagabend nicht auf den Plätzen und bedachte die Künstler begeistert und stehend mit starkem Applaus. Für das Ballett „KeimZeit“ sind in Gera vorerst weitere Aufführungen bis zum Frühjahr 2015 geplant.


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