zur Navigation springen

Filmkritik „Fifty Shades of Grey“ : Keusch und kitschig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bei der ersten Verfilmung der erotischen Roman-Trilogie „Fifty Shades of Grey “ will es nicht so richtig knistern

Von vielen „Fifty Shades of Grey“-Fan sehnsüchtig erwartet, wurde am Mittwoch erstmals die Verfilmung des ersten Teils der Sado-Maso-Trilogie auf der Berlinale gezeigt.

Wie der Film ist? Kurz gesagt: fürchterlich kitschig.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Anastasia Steele, Studentin der englischen Literatur, lernt den erfolgreichen Geschäftsmann und Multimillionär Christian Grey bei einem Interview für die Uni-Zeitung kennen. Sie kommen sich näher, und die sexuell völlig unerfahrene Anastasia hat mit Christian den wohl einfühlsamsten ersten Sex, den sich eine junge Frau wünschen kann. Doch Grey will mehr: Romantik, Nähe, Kuscheln, das ist nichts für ihn. Er steht auf Sado-Maso-Spiele mit Gehorsam, Fesseln und Peitschen.

Mit der Besetzung der Anastasia gelang der britischen Regisseurin Sam Taylor-Johnson auch tatsächlich ein Glücksgriff. Dakota Johnson, Tochter der Hollywoodstars Melanie Griffith und Don Johnson, verkörpert perfekt das schüchterne und unbedarfte Mädchen. Große Augen, Pferdeschwanz, sinnliche, rote Lippen. Und die haben bei „Fifty Shades of Grey“ einiges zu tun: Ana, wie sie genannt wird, beißt sich immer wieder verlegen auf die Lippen, streicht mit der Zunge darüber oder knabbert verträumt-lasziv an einem Bleistift von Mr. Grey.

Wie man hier schon erahnen kann, lebt der Film von schmachtenden Blicken und kleinen Berührungen. Es gibt zwar die eine und auch die andere Sexszene. Doch bis auf nackte Hintern und Busen sieht man – nichts. Die zwei sprechen zwar immer wieder über mögliche Spielarten des Sado-Maso. Einmal darf Grey Ana auch mit seiner Krawatte fesseln, beim nächsten Mal verbindet er ihr die Augen. Doch erst nach langen eineinhalb Stunden landen sie dann endlich in Greys sogenanntem Spielzimmer voller SM-Ausstattung. Doch auch da passiert - wenig.

Wer zarte Andeutungen und das Versprechen auf ein Happy-End mit der großen Liebe des Lebens mag, wird das bei „Fifty Shades of Grey“ finden. Doch wem das allein nicht genügt, wird lange zwei Stunden ungläubig im Kinosessel sitzen und sich fragen, was an all dem reizvoll sein soll.

Sicher gibt es erotische Vorspiele, doch so richtig knistert es zwischen Dakota Johnson und Grey-Darsteller Jamie Dornan nicht.

Sado-Maso wirkt bei all dem eher wie ein großes Versprechen, um ein größeres Publikum anzuziehen. Was sich stattdessen als roter Faden durch die Geschichte zieht, ist die märchenhafte Sehnsucht einer jungen Frau, von einem starken Ritter gerettet zu werden – und sein gefühlskaltes Herz doch noch zum Schmelzen zu bringen.

Diese Grundidee verwundert wenig, hatte Autorin E. L. James ihre Geschichte doch ursprünglich als Fortsetzung der jugendlichen Vampirsaga „Twilight“ begonnen und sicher ein ähnliches Zielpublikum im Kopf. Auch beim Film nahm sie wohl einigen Einfluss, wie Regisseurin Taylor-Johnson dem „Hollywood Reporter“ erzählte, wo sie sich beklagte, dass die Zusammenarbeit mit James „richtig, richtig frustrierend“ gewesen sei. So bleibt nach all dem „Fifty Shades of Grey“-Fieber vor allem eines: Ernüchterung.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen