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Polit-Punk : Immer noch relevant: Slime im «Hier und Jetzt»

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Slime liefern mit Unterbrechungen seit 35 Jahren zuverlässig den Soundtrack zur Kapitalismus-Schelte. Auf ihrem neuen Album «Hier und Jetzt» gehen die Polit-Punker indes etwas gemäßigter zu Werke als früher: Texte zum Nachdenken anstatt platter Parole.

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Punk wäre in Deutschland ohne Slime nicht denkbar. Okay, frühere Weggefährten wie die Toten Hosen oder die Ärzte füllen Stadien und werden sogar im Radio gespielt. Doch die 1979 in Hamburg gegründeten Slime besitzen das, was Campino und Co. nach Meinung vieler Punks längst verloren haben: Relevanz und Authentizität.

Die Band ist im linken Spektrum immer noch fest verwurzelt. Ihr nimmt man ab, wenn sie über ungerechte Entwicklungen in der Gesellschaft und das Wiederstarken der rechten Szene in Deutschland singt.

Soziale Missstände waren schon immer der Antrieb der Polit-Punker. Mit kompromisslosen, provokanten Texten drückten sie ihren Protest aus. Das ist beim neuen Album «Hier und Jetzt» nicht anders. Es richtet sich gegen den Zeitgeist. «Im Grunde sind es dieselben Themen wie damals, das drückt der Titel 'Hier und Jetzt' aus», sagt Sänger Dirk Jora im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Was früher Atomkraftwerke und kurz nach dem Mauerfall die rechtsradikalen Angriffe auf Asylbewerber-Unterkünfte waren, sind heute der NSU-Skandal, die AfD, Neoliberalismus oder Gentrifizierung. «Natürlich würden wir gerne mal über was anderes singen, doch die gesellschaftliche Entwicklungen sind leider so. Der Turbo-Kapitalismus schlägt immer härter zu», erklärt der 57-Jährige.

Doch anders als früher verfahren Slime musikalisch wie textlich nicht mehr mit der Holzhammer-Methode. Die Gentrifizierungshymne «Ich kann die Elbe nicht mehr sehen» bedient sich im Reggae und «Ernie und Bert in Guantanamo» hat das Hitpotenzial eines Powerpop-Songs. Das Lied «Andreas T.» erzählt die Geschichte des V-Mannes im NSU-Skandal, ohne zu werten. «Früher hätten wir wahrscheinlich das Wort Nazischwein benutzt», verdeutlicht Jora.

Seit dem Comeback 2010 thematisieren auch die Feuilletons die einst gemiedene Band. Sänger Dirk stört dabei allerdings die zum Teil klischeehafte Berichterstattung. «Wir sind die linksradikale, den Staat angreifende Band. Dann wird der Song 'Bullenschweine' rausgekramt, den wir seit 10 Jahren nicht mehr spielen und auch wahrscheinlich so nicht mehr bringen würden», ärgert er sich.

Auch wenn Slime schon lange nicht mehr ausschließlich in der Anarcho-Szene ihre Zuhörerschaft rekrutieren, ist die Verbindung dorthin nach wie vor stabil. «Wir spielen immer noch abgefahrene Konzerte. Wir sind neulich in Griechenland in einem besetzten Haus aufgetreten», berichtet der Sänger. Das gehört eben zu Slime dazu. Ans Aufhören denkt die Band noch lange nicht. «Es gibt zwei Konstanten in meinem Leben», sagt Jora: «Slime und der FC St. Pauli.»

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