Tiermode : Hunde auf dem „Dogwalk“

West Highland Terrier „Max“  mit einer wämenden Jacke
West Highland Terrier „Max“ mit einer wämenden Jacke

Fell allein reicht nicht mehr aus: Viele Herrchen statten ihre Hunde mit Wintermänteln aus

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03. Februar 2014, 00:33 Uhr

Die Temperaturen sind im Keller, Schnee ist gefallen und die Modenschau auf deutschen Wiesen hat begonnen. Die Laufstegschönheiten tragen mal schicke Outdoor-Jäckchen, mal trendige Strickpullover – und sie haben vier Pfoten. Früher eher eine Ausnahme, hat Winterbekleidung für Hunde in Deutschland längst Einzug gehalten. Und zwar nicht nur bei den kleinen Schoßhündchen, deren Bäuche dem gefrorenen Erdreich so bedenklich nahe kommen. Auch Besitzer von hüfthohen Wachhunden greifen Experten zufolge immer häufiger zum Wintermantel. Der Catwalk wird zum „Dogwalk“.

„Sie mag das. Sie wackelt dann immer so mit ihrem Hinterteil“, sagt Adrianne Straub über ihre Hündin Donna. Die Kurzhaardackel-Dame steckt in einem schwarz-rot-grauen Strickoberteil, Hosenträger inklusive. Ein angedeuteter Rock akzentuiert den Hüftschwung. Straub hat die Kreation selbst gestrickt. Ebenso jene für ihre zwei weiteren Dackel, mit denen sie an der Hamburger Alster unterwegs ist. „Wir haben auch gekaufte Mäntel, aber dafür ist es noch nicht kalt genug“, sagt Straub. Die Tiere seien so nah am Boden, da sei ein Kälteschutz schon sinnvoll.

Wer sich in Fachgeschäften umhört, erfährt, dass viele Hundebesitzer ähnlich denken. Sandra Neuwerck hat deshalb gerade neue Pullover bestellt. „Sobald es kälter wird, kommen viele Kunden“, sagt die Filialleiterin von „V.I.Pets“ im noblen Hamburger Stadtteil Rotherbaum. Wer möchte, kann hier für eine Kombi aus wärmender Weste und Regencape schon mal mehr als 300 Euro auf den Tisch legen. „Der Markt hat mittlerweile eine große Bandbreite“, erklärt Neuwerck.

Noch etwas neuer ist, dass auch größere Hunde mit Winterkleidung ausstaffiert werden. „Mode spielt dabei gar nicht so eine große Rolle. Es soll vor Nässe und Kälte schützen.“ Ihr eigener Hund Jamali, ein prächtiger Rhodesian Ridgeback, habe daher von Anfang an einen funktionalen Mantel bekommen. Bei Rassen ohne wärmende Unterwolle im Fell sei das sinnvoll.

Udo Kopernik, Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen, erklärt: „Wir haben es da mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun.“ Hundekleidung habe es aber im Grunde schon immer gegeben – Stichwort Dackeldecke. „Es liegt eher daran, dass die Hunde die Städte erobert haben“, sagt Kopernik. Mehr Zeit in beheizten Wohnungen bedeute weniger Anpassung an den kalten Winter. Und Rassen ohne Unterwolle seien eben auch „weniger isoliert“. In bestimmten Fällen hält er die Mäntel für angebracht.

Tierschützer betrachten den Trend zum Hundemantel zurückhaltend. „Der Mantel sollte eher die Ausnahme als die Regel sein“, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. Solche Sonderfälle seien Hunde mit kurzem Fell, Krankheiten oder hohem Alter. Dass hinter der Mode für den Vierbeiner auch eine starke Industrie steckt, sei klar


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