Theatergipfel : Hoffen, warten, bangen

Das Staatstheater in Schwerin, das Theater Neustrelitz, das Theater in Stralsund und das Volkstheater Rostock   Fotos: Jens Büttner, Bernd Wüstneck, Stefan Sauer
Das Staatstheater in Schwerin, das Theater Neustrelitz, das Theater in Stralsund und das Volkstheater Rostock

Vor dem überraschend angekündigten Theatergipfel rätseln die Betroffenen, was sie erwartet

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08. Juni 2018, 12:00 Uhr

Im schlimmsten Falle, so heißt es in Theaterkreisen, gibts „neue Ansagen“. Was sei sonst zu erwarten von einem Zweistundentermin mit um die 30 Beteiligten?

Für Dienstag lud Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zu einem neuerlichen Theatergipfel in die Staatskanzlei ein (wir berichteten). Vorausgegangen war bei einem Gipfel am 18. Dezember 2017 die Feststellung, das vom vormaligen Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) beinhart durchexekutierte Fusionsmodell zu einem „Staatstheater Nordost“ sei tot, es lebe nun das Kooperationsmodell.

Problem nur: Die Theater im Osten hängen weiter in der Luft. Neustrelitz/Neubrandenburg und Anklam kooperieren seit Jahren fast bis zur Selbstaufgabe. Das Theater Vorpommern Stralsund kämpft um seine Eigenständigkeit. In beiden Häusern gelten Haustarifverträge. Noch im März war Seenplatte-Landrat Heiko Kärger (CDU) optimistisch, dass bei einem Theatergipfel im April die Kuh vom Eis geholt würde. Wurde sie aber nicht.

An diese Ost-Fusion einschließlich Stellenabbaus knüpfte das Land bisher aber seinen Einstieg in die Trägerschaft mit dem Ziel einer höheren und künftig steigenden Förderung. Wenn es nun trotzdem mehr Geld für den Osten gäbe, während Rostock wegen „Fusionsverweigerung“ nichts bekäme, dürfte der Versuch schnell in sich zusammenfallen.

Pikant an der Terminwahl ist: Tags darauf soll es Tarifverhandlungen für Neustrelitz und Stralsund geben. Gibts am Dienstag kein Zwischenergebnis, so heißt es, flögen den Beteiligten die Haustarife um die Ohren. Dann müsste im Zweifel Tarif gezahlt werden, was die Theater in die Insolvenz stürzen würde. Das ist wohl der eigentliche Handlungsdruck.

Was aber will die Regierungschefin schaffen, was zuvor eine ganze Galerie von Kultusministern samt externen Gutachtern und Beratern nicht hinbekam? „Einen völligen Neustart wird es nicht geben“, bremste Regierungssprecher Andreas Timm zu hochfliegende Erwartungen. „Es geht darum, die lange nicht mehr vom Fleck gekommene Diskussion wieder anzuschieben.“ Wie viel Spielraum sich die Chefin dafür gönnt, ist ungewiss.

Beteuert wird indes, niemandem werde etwas aus der Hand genommen, weder Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) noch Finanzminister Brodkorb. „Es ist der Versuch, die verschiedenen Stränge zusammen- und voranzubringen.“

Joachim Kümmritz, der sowohl das Theater Neubrandenburg/Neustrelitz als auch das Volkstheater führt, gab sich auf Anfrage staatsmännisch: „Ich finde es gut, wenn die Regierung alle Beteiligten an einen Tisch holt in der verfahrenen Situation.“ Inhaltlich könne er nichts sagen, da er außer Ort und Termin nichts kenne, auch keine Tagesordnung.

Womöglich ist die Antwort ganz einfach: Bald ist Manuela Schwesig ein Jahr im Amt. Sie habe, wird kolportiert, eine Liste von Themen, die sie bis dahin „erledigt“ haben will. Schule und Kita seien weitgehend abgehakt, doch die Hängepartie Theater laste schwer auf dem Kabinettstisch. Da soll sie nun runter. Gesichtswahrend für die betroffenen Ressortchefs, versteht sich. Das diplomatische Geschick wird Staatskanzleichef Reinhard Meyer allseits zugetraut.

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