Mecklenburgische Staatskapelle : Hörvergnügen à la francaise

Céline Moinet, Solistin an der Oboe
Céline Moinet, Solistin an der Oboe

Zum 4. Sinfoniekonzert der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin mit einem französischen Programm

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27. März 2018, 21:00 Uhr

Vive la France! Zumindest musikalisch probten die Mecklenburgische Staatskapelle und GMD Daniel Huppert im 4. Sinfoniekonzert der Saison den Schulterschluss mit der großen Nachbarnation – und bewiesen dabei jene Eleganz und Schwerelosigkeit, die so viele Werke französischer Komponisten auszeichnet.

„Man fällt eben nicht gleich mit der Tür ins Haus“, hatte es Orchesterdirektor Lutz de Veer im Vorab-Gespräch mit Generalmusikdirektor Huppert ebenso humorvoll wie treffend formuliert. Und in der Tat offenbarten Orchester und Dirigent schon eingangs in der „Pelléas et Mélisande“-Suite Faurés eine zarte Verschwommenheit in den Binnenstimmen, die so ganz im Gegensatz zur sonstigen norddeutschen Direktheit stand. Wunderbar fein modulierte Farben, gekonnte Phrasierungen und traumwandlerische Pianissimi machten aus dieser alten Tragödie zweier unglücklich Liebender ein wahres Hörvergnügen à la francaise!

Und auch Francks d-Moll-Sinfonie nach der Pause offenbarte ein Musiker-Herz für die hierzulande bisweilen noch immer eher stiefmütterlich behandelte französische Sinfonik: Denn obgleich der zu Lebzeiten vor allem als Organist geschätzte Künstler deutsch-belgische Wurzeln hatte, schuf er doch nicht nur in diesem Fall echt französische Partituren. Huppert setzte denn auch auf die Freilegung der feinen harmonischen Binnenstrukturen, suchte mit seinen Musikern immer wieder die Balance und setzte seinen Fokus auf die Art, wie der Komponist hier mit raffinierten Instrumentalfarben Atmosphäre schafft. Geschmeidig wogte die Musik auf und ab, insbesondere die (Holz-) Bläser zeigten im zweiten Satz berückende lyrische Momente, im Finale entwickelte sich bisweilen eine bezwingende Swing-Stimmung, die schon Jazz-Elemente in sich trug – da ließ sich auch darüber hinweghören, dass hier der groß aufbereitete sinfonische Bogen außen vor blieb.

Umso deutlicher hatte zuvor Céline Moinet Gestaltungskraft und Stilwillen in Strauss’ Oboen-Konzert formuliert. Die französische Solistin betörte nicht nur mit ihrem süßen Ton und einer vor allem im langsamen Satz entfalteten, verzaubernden lyrischen Intensität, sondern gab auch den dynamisch-dramatischen roten Faden vor für das Spätwerk des Bayern. Ein Elan und eine Leichtigkeit, die Dirigent und Orchester immer wieder mitriss, ob nun im quirligen Bewegungsmotiv des Kopfsatzes oder im kühn-kapriziösen Überschwang des Finales. Intonationssicherheit, exakte Phrasierungen, ausgewogene Tongebung: All das schienen beinahe Selbstläufer im berückenden Spiel der 34-Jährigen.

Und so pulste nicht zuletzt dank der auch in ihrer äußerlichen Erscheinung bezaubernden ersten Oboistin der Sächsischen Staatskapelle reichlich französisch-deutsches Leben an diesem Montagabend durch das Schweriner Staatstheater – vielleicht ja ein trefflicher Fingerzeig für so manch anderes Feld der Zusammenarbeit zwischen den Nationen.

Wiederholung des 4. Sinfoniekonzertes morgen, Mittwoch, 19.30 Uhr - Karten (9 bis 45 Euro) Telefon: 0385/5300-123

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