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Friedrichstadt-Palast : Hightech-Revue statt DDR-Nostalgie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Positive Nachrichten von einer Größe der einstigen DDR-Showbranche: Der Friedrichstadt-Palast schreibt Rekorde

Noch vor sechs Jahren stand Deutschlands größte Showbühne vor dem Aus – dem Berliner Friedrichstadt-Palast drohte mit aufgelaufenen Verlusten von fast zehn Millionen Euro der Ruin. Jetzt kann die einstige DDR-Institution neue Rekorde vermelden. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz mit 26 Millionen Euro auf mehr als das Doppelte gegenüber 2007. Bei den Besucherzahlen knackte das Haus erstmals seit 2001 wieder die Marke von einer halben Million.

„Natürlich habe ich von 500 000 Besuchern geträumt. Aber dass wir das tatsächlich schaffen und noch dazu in vergleichsweise kurzer Zeit, hätte ich nicht gedacht“, sagte der Intendant und Geschäftsführer Berndt Schmidt (Foto). Der 50-jährige Kulturmanager hatte das Haus mit seinen rund 250 fest angestellten Mitarbeitern 2007 an seinem Tiefpunkt übernommen und seither mit aufwendigen Produktionen für neuen Zulauf gesorgt.

„Meine Vision damals war, die Revue als Kunstform ins 21. Jahrhundert zu holen“, so Schmidt. „Sie bezog sich bis dahin zu sehr auf die Tradition der 1920er-Jahre, sie musste in der Moderne ankommen.“ Allein die jüngste Produktion „Show Me“ mit einer bunten Mischung aus Akrobatik, Tanz und Poesie kostete neun Millionen Euro. Für die rund 500 Kostüme zeichnete unter anderem der Pariser Haute-Couture-Designer Christian Lacroix verantwortlich. Kritiker hielten das Programm gleichwohl für etwas brav.

Besonders erfreulich ist aus Sicht von Schmidt, dass rund 200 000 der gut 500 000 Besucher im vergangenen Jahr Berliner waren. „Das sind mehr als doppelt so viele wie bei meinem Amtsantritt. Bei dem riesigen Kulturangebot, das es hier in Berlin gibt, ist das eine tolle Anerkennung und zeigt unsere Verankerung in der Stadt.“ Auch bei jüngeren Leuten ist ein Besuch zunehmend angesagt: Der Altersschnitt des Publikums sank von 54 auf unter 38 Jahre.

Zu DDR-Zeiten war der Friedrichstadt-Palast eine gesellschaftliche Institution. Viele Großveranstaltungen fanden hier statt, Fernsehshows wie die legendäre Familiensendung „Ein Kessel Buntes“ entstanden, und ganze Generationen feierten ihre Jugendweihe. Noch immer kommen jedes Jahr Tausende von Kids zu den inzwischen ideologiefreien „Jugendfeiern“ – statt zu Firmung oder Konfirmation.

Denn zwischen den Shows wird das Haus in Berlin-Mitte auch für Veranstaltungen und Gastspiele vermietet, nicht zuletzt an die Berlinale.

Eigentümer des Palastes ist zu hundert Prozent das Land Berlin. Es hatte 2008 mit einer Finanzspritze das Überleben gesichert und unterstützt den laufenden Spielbetrieb – im vergangenen Jahr mit sieben Millionen Euro. Ein Gutteil des Geldes fließt nach Angaben von Schmidt in das „Junge Ensemble“: 250 Berliner Kinder aus 28 Nationen lernen und üben hier zweimal pro Woche als Darsteller für die regelmäßigen Kindershows. Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) ist als Aufsichtsratsvorsitzender hochzufrieden: „Der Friedrichstadt-Palast ist eine großartige Erfolgsgeschichte und ein Aushängeschild für den Kulturstandort Berlin.“

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