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Ausstellung : Heimkehr aus Russland: Holländische Meister in Amsterdam

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Rembrandt, Frans Hals, Paulus Potter - die russischen Zaren waren verrückt nach den Holländern. Nun zeigt die Hermitage in Amsterdam erstmals Meisterwerke der Maler aus dem 17. Jahrhundert aus St. Petersburg.

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 14:26 Uhr

Der Zar Peter der Große kam einst nach Holland, um den Bootsbau zu erlernen. Er kehrte mit einer neuen Liebe nach Russland zurück: der holländischen Malerei.

Vor mehr als 300 Jahren legte der Zar die Basis für eine unvorstellbare Kunstsammlung - heute ist sie mit rund 1500 Gemälden die größte Sammlung holländischer Meister außerhalb der Niederlande und im Besitz der Eremitage in St. Petersburg. Zum ersten Mal kehren nun Dutzende Meisterwerke dieser Sammlung wieder nach Hause zurück: Ab Samstag sind sie in der Hermitage in Amsterdam zu sehen.

«Holländische Meister aus der Eremitage. Augäpfel der Zaren» ist eine Schau der Superlative: 63 Werke von 50 Malern wie Ferdinand Bol, Gerard Dou, Frans Hals, Jan Steen und selbstverständlich Rembrandt (1606-1669). Vom Meister des Lichts sind sechs Gemälde zu sehen. Zum Beispiel «Flora», das Porträt der jungen bezaubernden Frau mit Blumenkranz auf dem Kopf von 1634. Es hat einen Ehrenplatz in dem «Rembrandtsaal».

Die Bilder in der Hermitage erzählen die illustre Geschichte des sogenannten Goldenen Zeitalters der Niederlande. Die wirtschaftliche Blüte im 17. Jahrhundert löste auch eine Hochzeit der Malerei aus. Dutzende von Künstlern malten Landschaften, Porträts, Stillleben, Szenen aus dem Alltag und auch aus Bibel und Geschichte. Es ist ein reiches, buntes Leben mit ernsten Menschen unter einem oft grauen Himmel.

Als der Zar Peter der Große erstmals 1696 nach Amsterdam kam, boomte der Kunstmarkt. Wie so viele ausländische Besucher damals muss auch er sich darüber gewundert haben. Nicht nur reiche Kaufleute kauften Gemälde, auch weniger wohlhabende Bürger hängten sich die Wände voll - sogar in der Küche. Man schätzt, dass allein im 17. Jahrhundert einige Millionen Gemälde in den Niederlanden entstanden waren. Das waren sicher nicht alles Meisterwerke. Aber viele Talente konnten sich entwickeln und schufen begehrte Ware für internationale Sammler und besonders die Russen. 1716 erwarb Peter der Große für 80 Gulden den ersten Rembrandt Russlands: «Der Abschied von David und Jonathan».

«Der Realismus sprach die Russen sehr an», erklärt Irina Sokolova, die Leiterin der St. Petersburger Sammlung Holländischer Kunst. Die Darstellung des Alltags, der Welt und des Lichts hätten ihrem Lebensgefühl entsprochen. So schrieb der russische Sammler Alexander Stroganov 1807: «Die Holländer beherrschen die Kunst von Farbnuancen und Farbgegensätzen gut: Dadurch gelingt es ihnen, das Licht selbst zu malen.»

Vor allem im 18. Jahrhundert sammelte der russische Adel wie besessen - allen voran Katharina die Große. Über ein ausgedehntes Netzwerk von Diplomaten und Agenten kaufte sie in Europa hunderte Bilder. Ganze Sammlungen holländischer Meister erstand sie für die eigenen kaiserlichen Paläste in Russland. Darunter auch drei kleine Akt-Bildchen von Gerard Dou. Es müssen besondere Schätze der Zarenfamilie gewesen sein, jedenfalls wurden sie nie der Öffentlichkeit gezeigt.

Die Preise waren inzwischen deutlich gestiegen. Katharina bezahlte etwa für das Bild «Beim Doktor» von Gerard Dou 19 153 Pfund. Dafür hätte ein holländischer Arbeiter mindestens 26 Jahre lang arbeiten müssen.

Der Erste Weltkrieg und dann die Revolution bereiteten der Sammelwut ein Ende. Die verstaatlichte Sammlung der Eremitage wurde zwar erweitert um andere konfiszierte Sammlungen. Doch Ende der 1920er Jahre kam es zum Kahlschlag: Die Sowjets brauchten harte Devisen und verkauften Dutzende Meisterwerke von Rembrandt, Vermeer oder Frans Hals auf den Kunstmärkten.

Informationen der Hermitage

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