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Musikstars sterben : Goodbye, Rock’n’Roll?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Tod vieler Stars wirft die Frage nach der Zukunft der Rockmusik auf

Lemmy Kilmister von „Motörhead“, Glenn Frey von den „Eagles“, David Bowie und im April Prince: Die alte Garde des Rock und Pop scheint momentan Schlag auf Schlag die Bühne zu räumen.

Viele Künstler, die die populäre Musik der vergangenen 50 Jahre geprägt haben, sind innerhalb nur weniger Monate gestorben. Entsetzen bei manchen selbst in die Jahre gekommenen Fans: Sie befürchten, dass mit dem Tod ihrer Stars auch das Ende des ganzen Genres eingeläutet sein könnte. Stirbt die Rock- und Popmusik?

Tränen abwischen, durchatmen und mit Zuversicht nach vorne schauen, sagt Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der Popakademie Mannheim. Vor allem die in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren aufgewachsene Fangeneration beschleiche momentan das Gefühl, dass mit dem Ableben ihrer Vorbilder eine Tradition wegbreche. „Vielleicht ist aber die Spitze nicht erreicht und es kommt noch der ganz große musikalische Wurf“, sagt Dahmen, der auch Vizepräsident des Deutschen Musikrates ist.

Der Kreativität in der Rock- und Popmusik seien keine Grenzen gesetzt, beschreibt es der frühere Profischlagzeuger Dahmen, der für die Deutschrockbands „Kraan“ und „Lake“ trommelte. Viele junge Musiker griffen traditionelle Stilelemente auf, modifizierten sie und schafften somit etwas Neuartiges. Schon stilbildende Bands wie die „Beatles“ hätten einst auf der Basis von Skiffle und Rhythm’n’Blues „ihr eigenes Ding gemacht“, erinnert sich der 64 Jahre alte Musikprofessor.

Zum Grundwissen der rund 340 Studierenden an der Mannheimer Popakademie gehören zwei Lehrsätze: Ohne Tradition geht nichts, man muss die alten Songs kennen. Aber die Kunst ist es, darauf aufzubauen und einen frischen Ansatz zu suchen.

Auch der Kasseler Musikphilosoph Dirk Stederoth glaubt nicht, dass dem Rock das letzte Stündlein geschlagen hat. Wenn die durch den Fankult aufgebauten „Säulenheiligen“ gingen, könne das „auch eine Befreiung sein“, urteilt der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität Kassel, der in seiner Freizeit Bass in einer Band spielt.

Der Schmerz über deren Verlust sei nur ein Problem für eine bestimmte Fangeneration: „Kein Grund zur Panik.“

Wohin sich die Popularmusik mit neuen Moden und Subkulturen weiterentwickele, darüber könne nur spekuliert werden, urteilt Stederoth. Klar sei, dass die Spartenvielfalt zunehme. Das werde auch von der Musikindustrie gefördert: Künstler würden zunehmend aus marktstrategischen Gründen auf ein Segment festgelegt, sagt der 47-jährige Philosoph. Die Bedeutung elektronischer Medien werde für die Künstler immer größer. Auf Plattformen wie Youtube könnten sie ihre Musik präsentieren und kostengünstig anbieten. Aber auch Livekonzerte werden aufgrund rückläufiger CD-Verkäufe weiter ein wichtiges Standbein für Musiker sein, glaubt Stederoth. Problematisch sei es, dass immer weniger Musiker von ihrer Arbeit leben könnten.

„Relativ relaxed“ geht Pfarrer Gernot Meier mit der Tatsache um, dass es im Rock’n’-Roll-Himmel immer enger wird. Nachwuchsmusiker ließen sich gerne inspirieren vom Geist der verblichenen Altmeister, sagt der Weltanschauungsbeauftragte der badischen Landeskirche in Karlsruhe, der ein begeisterter Rockkenner ist.

Schwer tut sich Meier mit einem „Purismus“, der behauptet, dass früher alles besser gewesen sei. Man sollte nicht zu sehr am Alten hängen, sondern sich neuen musikalischen Formen und Bands gegenüber öffnen, empfiehlt der 52-Jährige. Nichts auf Erden bleibe ewig, auch nicht die von Menschen geschaffene Musik. Sie drücke nur eine momentane Lebenssituation aus und entwickele sich weiter.

Solange Alt und Jung gemeinsam Musik machten, gebe es Hoffnung für die Rockmusik, glaubt Meier. Dafür habe die Punk-Ikone Iggy Pop kürzlich ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt: Mit Josh Homme, dem eine Generation jüngeren früheren Sänger der „Queens Of The Stone Age“, nahm der 69-Jährige ein Album auf. Der programmatische Titel: „Post Pop Depression“.

 

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