Schlossfestspiele Schwerin : „Genießen wir das Leben, flüchtig und schnell vorbei“

Theater im Mondschein: Die Schlossfestspiele präsentieren auf dem Alten Garten in Schwerin die Oper„La Traviata“.
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Theater im Mondschein: Die Schlossfestspiele präsentieren auf dem Alten Garten in Schwerin die Oper„La Traviata“.

Herzlich willkommen zu den Schlossfestspielen Schwerin 2015 des Mecklenburgischen Staatstheaters mit der Oper „La Traviata“ auf einem der schönsten Plätze Norddeutschlands.

svz.de von
03. Juli 2015, 12:00 Uhr

Bologneser Mortadella“ spottete ein Kritiker 1853 nach der Uraufführung über die Protagonistin. Schon von Natur aus sicher kein Kompliment für eine Dame, doch angesichts von Verdis „La Traviata“ war die leibliche Fülle geradezu fatal: Sang jene Sopranistin doch die Rolle der Violetta – der schwindsüchtigen Heldin der Oper…

Ohnehin stand jene Premiere im berühmten Teatro La Fenice unter keinem guten Stern, waren nicht zuletzt die Männer an jenem Abend reichlich schwach auf der Brust. Statt Jubel gab es Buh-Rufe und schallendes Gelächter des venezianischen Publikums – und Giuseppe Verdi geriet in Zweifel, ob am Ende vielleicht nicht Violetta „die vom Weg Abgekommene“ (so die freie Übersetzung von „La Traviata“) sei, sondern vielmehr er selbst. „,La Traviata‘“ erlitt ein Fiasko. Liegt die Schuld bei mir oder den Sängern? Die Zeit wird darüber urteilen“, schrieb der Meister nach dem spektakulärsten Misserfolg seiner Komponistenkarriere.

Schnee von gestern, heute gehört „Die Verführte“ zu den Opern-Klassikern – und das ganz sicher nicht nur, weil in Zeiten medienwirksam inszenierter Seitensprünge und öffentlicher Sex-Beichten der damals anrüchig-skandalöse Stoff niemanden mehr wirklich aufzuschrecken vermag. Alexandre Dumas hatte seinerzeit die Roman-Vorlage geliefert und damit Marie Duplessis (so ihr wirklicher Name) ein Denkmal gesetzt: jener großen Verführerin und Königin der Pariser Kurtisanen, die im Paris des 19. Jahrhunderts bereits als Teenagerin zu Ruhm und Geld gelangte – um fortan im Buch und auf der Bühne an ihrer Liebe und den unüberwindlichen Schranken einer bürgerlichen Gesellschaft zu scheitern, wenn sie aus moralischen Gründen auf den Geliebten verzichtet. Für „Pretty Woman“ war es damals eben noch zu früh…

Bei Verdi heißt die schwindsüchtige Lebedame Violetta und stirbt – ruiniert, verbraucht und ausgebrannt durch ihren ausschweifenden Lebenswandel in den Salons des 19. Jahrhunderts – mit 22 Jahren an Tuberkulose. Das Ganze als intimes Kammerspiel, die Dramatik liegt in der „inneren“ Bewegung der Beteiligten, der Italiener selbst hat diese Wendung nach innen feiner als irgendwo sonst in seinen Opern komponiert: Alles kreist um Liebe, Verzicht und Tod – auch in diesem Jahr bei den Schweriner Schlossfestspielen auf dem schönsten Platz Norddeutschlands.

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