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In Paris : Gauguin-Werkschau: Der Maler als Alchimist

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Nach mehr als 25 Jahren zeigt Paris wieder eine große Gauguin-Ausstellung. Dabei wirft das Pariser Grand Palais ein neues Licht auf die Kunst des französischen Malers: Gauguin als Alchimist.

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erstellt am 11.Okt.2017 | 14:39 Uhr

Paris (dpa) – «Gauguin, der Alchimist»: Allein der Titel verwirrt. Was die Ausstellung im Grand Palais damit illustrieren will, offenbart sich nicht von selbst. Gauguins Bildern bretonischer Bäuerinnen und Südsee-Frauen stehen Keramiken, Druckgrafiken und Holzskulpturen gegenüber. Vereinzelt entdeckt man ein Möbelstück.

«Gauguin experimentierte zeitlebens mit neuen Techniken und mannigfaltigen Materialien – so wie ein Alchimist», sagte Kuratorin Claire Bernardi. Dabei ist der Titel auch metaphorisch zu verstehen: Gauguin erhebt auch schlichte Materialien in die Sphäre der Kunst.

Die letzte umfangreiche Gauguin-Ausstellung fand in Paris im Jahr 1989 statt. Nach mehr als 25 Jahren wollte Paris etwas anderes präsentieren als eine Retrospektive, von denen es in den vergangenen Jahren recht bedeutende gab, darunter in der Tate Modern in London im Jahr 2010 und 2015 in der Fondation Beyeler in der Schweiz. Deshalb habe man nach einem bislang weitgehend unbekannten Aspekt gesucht, erklärte Bernardi.

Die bis zum 22. Januar dauernde Ausstellung vereint mehr als 230 Werke. Den 54 Gemälden werden 35 Skulpturen, 14 Holzobjekte, 67 Druckgrafiken, 34 Zeichnungen und 29 Keramiken gegenüberstellt, etwas mehr als ein Drittel seiner keramischen Gesamtproduktion.

Was durch den Dialog der Arbeiten zu erkennen ist? Gauguins unermüdlicher Drang nach dem Ausdruck des Wesens der Dinge, seine Suche nach dem Rauen und Kruden, die in allen seinen Bildträgern zum Ausdruck kommt. Ebenso wie seine wiederkehrenden Motive. So taucht auf dem Ölgemälde «In den Wellen» dieselbe weibliche Rückenansicht auf, wie auf der Holztafel «Seid mysteriös». Vor allem aber ist zu erkennen, dass Gauguin ein Meister aller Künste war.

Gauguin hat die von ihm geschaffenen Keramikarbeiten teilweise in seinen Stillleben abgebildet, wie auf dem Bild «Stillleben mit Keramikschale» zu sehen ist. Auch die vereinzelt in der Ausstellung stehenden Möbel tragen die Spur des Wegbereiters der Moderne. Er kaufte sie, um sie mit seinen Fantasie- und Frauenskulpturen zu verzieren.

Der Öffentlichkeit sind von dem Autodidakten vor allem die farbenprächtigen Gemälde mit Frauen aus der Südsee bekannt, wohin es ihn auf der Suche nach Ursprünglichkeit erstmals 1891 gezogen hat. Die paradiesartigen und sinnlichen Bilder sind weltbekannt. Von ihnen hätte man sich mehr in der Ausstellung gewünscht. So fehlen «Die Frau des Königs» und «Nimmermehr, O Tahiti».

Die Ausstellung ist in ein mysteriöses Halbdunkel getaucht, das die lichtempfindlichen Druckgrafiken erfordern. Gleichzeitig verlieren seine Gemälde dadurch ihre herrliche Farb- und Lichtkraft. 

Einer der Höhepunkte ist die Rekonstruktion seiner Hütte «Das Haus der Freude» auf der Insel Hiva Oa, die Gauguin mit Reliefs nackter Frauenfiguren verzierte. Darin hängt «Die Anrufung». Das Bild hat er kurz vor seinem Tod im Jahr 1903 gemalt. 

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