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Erfolgsgeschichte : Für Nachtschwärmer - 20. Geburtstag der «Langen Nacht»

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Ein Ticket, alle Häuser - nach dem Prinzip funktioniert die Lange Nacht der Museen. Vor 20 Jahren wurde sie in Berlin erfunden.

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 00:01 Uhr

Beweisen lässt es sich natürlich nicht, aber die Berliner könnten drauf schwören: Die Lange Nacht der Museen wurde bei ihnen erfunden. «Unsere erste Lange Nacht vor zwanzig Jahren war der Urknall. Seither ist die Idee um die Welt gegangen», sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der Kulturprojekte Berlin GmbH. «Mehr als hundert Städte von Prag bis Paris, von Brüssel bis Buenos Aires haben unser Erfolgsmodell übernommen.»

Die diesjährige Nacht der Museen am Samstag (19.8.) steht deshalb unter dem Motto «Made in Berlin». Etwa 80 Museen beteiligen sich mit 800 Veranstaltungen, rund 30 000 Menschen werden erwartet. Für einen gemeinsamen Eintrittspreis von 18 Euro bringen Shuttle-Busse die Besucher von Haus zu Haus - bis 02.00 Uhr morgens Kultur satt.

«Die Menschen können so ihre Stadt noch einmal ganz neu erleben», sagt van Dülmen. «Sie können Museen entdecken, die sie noch nicht kannten. Sie können ohne Schwellenangst in Häuser gehen, die sie bisher vielleicht für elitär hielten. Oder sie können auch ganz einfach nur zusammen sein und die Geselligkeit genießen.»

Als der frühere Berliner Kultursenator Volker Hassemer vor 20 Jahren die Idee zu dem neuen Format hatte, war das Echo noch wenig begeistert. «Sogar die Chefs von großen Häusern waren - vorsichtig gesagt - ausgesprochen zurückhaltend», erinnert sich der CDU-Politiker. «Einer sagte sogar, diese Mehrarbeit müsse ich seiner Betriebsversammlung schon selbst erklären.»

Nach den ersten Erfolgen in Berlin zogen deutsche Städte wie Hamburg, Frankfurt und München bald nach. Inzwischen gibt es kaum eine deutsche Stadt, die nicht mindestens einmal im Jahr Nachtschwärmer mit ihrem Kulturangebot lockt. In Österreich organisiert der ORF seit dem Jahr 2000 eine landesweite Museumsnacht, die bisher zusammen mehr als fünf Millionen Besucher anzog. Auch auf den Philippinen gibt es seit zehn Jahren eine Night of Heritage - eine Nacht des kulturellen Erbes.

Aber nicht nur die Museen ließen sich von der Idee anstecken. Auch andere Disziplinen stellen sich inzwischen gern mit diesem Veranstaltungsformat vor: Die Lange Nacht der Wissenschaften, der Religion, der Musik, der Literatur, des Sports ... ja sogar der Feuerwehren, der Labore und der Hotelbars.

«Die Idee «Jetzt machen wir mal alle zusammen etwas für alle» hat eine große Zugkraft», sagt Moritz van Dülmen. «Jede Institution kann so Aufmerksamkeit auf sich lenken. Vor allem aber entsteht ein Gemeinschaftswerk mit neuen Kooperationen, weil alle das gleiche Ziel haben.» Oft profitierten sogar die kleineren Häuser besonders, weil sie im Windschatten der großen mit bekannt würden.

In Berlin ist van Dülmen mit der Kulturprojekte GmbH für die gesamte Organisation rund um die Museumsnacht verantwortlich. Pro Veranstaltung nimmt das gemeinnützige Landesunternehmen durch den Ticketverkauf rund 400 000 Euro ein, kleinere Museen können davon einen Programmkostenzuschuss bekommen. «Natürlich ist es für jedes Haus immer ein Riesenaufwand», sagt er. «Aber dass sich die Museumsnacht seit 20 Jahren selbst trägt, ist schon ein toller Erfolg.»

Homepage Lange Nacht der Museen in Berlin

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