DDR-Kult : Frau Puppendoktor Pille ist 70 und doch alterslos

Urte Blankenstein alias Puppendoktor Pille
Urte Blankenstein alias Puppendoktor Pille

Generationen von Kindern sind mit „Frau Puppendoktor Pille“ aufgewachsen. Am Samstag feiert die Schauspielerin, die hinter der Kunstfigur des DDR-Fernsehens steckt, ihren 70. Geburtstag.

svz.de von
21. Dezember 2013, 16:00 Uhr

Generationen von Kindern sind mit „Frau Puppendoktor Pille“ aufgewachsen. Die Kunstfigur mit der großen runden Brille und den dicken Zöpfen hatte beim Abendgruß des DDR-Sandmännchens den jungen Fernsehzuschauern gute Ratschläge erteilt. Sich selbst kann Urte Blankenstein zurzeit nicht helfen. Ein Fuß ist verletzt. Aber für den Gang zum Arzt bleibt keine Zeit, mehrere Auftritte sind zu absolvieren. Weil die Künstlerin jahrzehntelang freischaffend tätig war, fließt nicht ausreichend Rente im Monat. Daher nimmt sie so viele Aufträge wie möglich an, auch mit nun 70 Jahren – heute hat sie Geburtstag. „Ich würde lieber arbeiten wollen statt müssen“, sagt sie. Denn Spaß macht ihr der Kontakt mit ihrem Publikum nach wie vor. Und sie erzählt, wie sie zur Rolle ihres Lebens kam: „Ich spielte in den 1960ern am Theater von Frankfurt/Oder das Aschenputtel. Das gefiel einem Regisseur des Fernsehens der DDR, der eine Kinderserie vorbereitete. Nach den Aufnahmen dafür in Leipzig schickte er mich zum Vorsprechen für die, Pille – weil die amtierende zu dick geworden war.“ Blankenstein grinst und schaut an sich hinunter. Die Künstlerin ist sehr schlank. Sie sitzt in einer kleinen Wohnung in Berlin-Johannisthal.

Das Handwerk hatte Blankenstein im TV-Zentrum Berlin-Adlershof gelernt, wo sie eine dreijährige Ausbildung zum „Fernsehschauspieler“ absolvierte. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie in Schwerin: Am Arbeitertheater, aber auch als sogenanntes Sprecherkind für den Rundfunk.

Urte Blankenstein wurde später nicht nur als „Pille“ Liebling unzähliger Kinder, sondern auch gefragte Moderatorin. Parallel arbeitete sie in Adlershof als Regieassistentin.

Das Geheimnis der „Pille“? „Sie ist alterslos, wie Urte“, sagt ihre Freundin und Kollegin Carola Krautz-Brasin, mit der sie ein Küchenlieder-Programm spielt. Blankenstein selbst findet: „Die Pille ist eine Erinnerung an die Kindheit. Ich konnte die Seele der Kinder streicheln. Viele mir völlig unbekannte Leute denken sogar, ich kenne sie - also Fernsehen andersrum.“ Überdrüssig wird sie der „Pille“ wohl nicht. „Schon irre, wie diese Figur wirkt. Ich finde es schön, so gemocht zu werden.“

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