zur Navigation springen

Abschied : Französische Schauspielerin Danielle Darrieux gestorben

vom

Die Franzosen nannten sie liebevoll «DD»: Danielle Darrieux war in den 50er Jahren ein Superstar. Jetzt starb sie mit 100.

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 15:49 Uhr

Kokett, charmant, betörend, elegant und voller Talent: Danielle Darrieux war mit Gaben überhäuft. Rund acht Jahrzehnte lang stand die Französin vor der Kamera, mehr als 130 Filme hat sie gedreht, oft mit den Größten der Branche.

Mit Rollen in «Der Reigen» und «Madame de...» war sie in den 50er Jahren ein internationaler Filmstar. Noch im hohen Alter feierte sie Erfolge, stets eine attraktive Erscheinung, zum Beispiel in «8 Frauen» von François Ozon im Jahr 2002. 

Nun ist die Leinwanddiva, die die Franzosen liebevoll «DD» nannten, im Alter von 100 Jahren am Dienstag in der Nähe von Paris, gestorben. Sie sei einfach eingeschlafen, teilte ihr Lebensgefährte am Donnerstag der französischen Nachrichtenagentur AFP mit.

«Danielle Darrieux ist eine der ganz wenigen Darsteller, die unvorbereitet in eine Rolle wie in eine zweite Haut schlüpfen», sagte einst Max Ophüls, mit dem sie große Filme wie «Pläsier» und «Madame de...» drehte. Auch in einer Verfilmung von Stendhals «Rot und Schwarz» begeisterte sie ihrer natürlichen Schönheit und Eleganz.

In den 60er Jahren feierte sie weitere Erfolge: Mit der schwarzen Komödie «Der Frauenmörder von Paris» von Claude Chabrol, dem Filmmusical «Das Mädchen von Rochefort» und «24 Stunden aus dem Leben einer Frau» nach der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig, eroberte sie sich ein Millionenpublikum.

Darrieux wurde in Bordeaux als Tochter eines Augenarztes und einer Gesangslehrerin geboren. Sie studierte am Pariser Konservatorium Gesang und Cello. Erstmals stand sie Vierzehnjährige bei den Dreharbeiten zu «Le Bal» von Wilhelm Thiele vor der Kamera. Nur fünf Jahre später, gelang ihr 1936 mit «Mayerling» von Anton Litvaks der internationale Durchbruch.

In dem Historien- und Kostümfilm bezaubert sie als junge Bürgerliche, die dem Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn den Kopf verdreht. Im Wien von 1888/1889 wird ihre Liaison zum Skandal. Mit dem Drama, in dem Rudolf aus Verzweiflung Mary und sich selbst erschießt, schaffte sie auch den Sprung nach Hollywood. Dort drehte 1938 sie «The Rage of Paris» (Wirbelwind aus Paris), eine Komödie, in der sie versucht, sich einen Millionär zu angeln.

In Kritik geriet die Schauspielerin in den 40er-Jahren. Denn sie gehörte zu jenen Darstellern, die im besetzten Frankreich arbeiteten. Darrieux wurde zum Star mehrerer Continental-Produktionen, darunter «Einmal im Jahr» und «Ihr erstes Rendezvous».

«Regisseure und Drehbuchautoren vergessen gerne Schauspielerinnen, die keine 20 Jahre mehr sind», erklärte sie einst. Eine Feststellung, die nicht auf sie zutraf. So war sie 2002 in dem Erfolgsfilm «8 Frauen» zu sehen, 2003 in «Gefährliche Liebschaften», 2004 in «Une vie à t'attendre» und 2005 in «Nouvelle Chance».

Den Gesang gab Darrieux nie ganz auf. Im Jahr 1976 ging sie als Chansonsängerin auf Tournee. Von ihren Platten wurden Millionen verkauft. Die Französin war ein weiblicher Tausendsassa, dem alles leicht fiel - sogar das Englische, das sie angeblich einst in nur wenigen Tagen erlernte.

Darrieux hatte sich 2010 von Film und Bühne verabschiedet und sich seitdem hauptsächlich ihrer Rolle als Großmutter gewidmet. Ihre gute Form habe sie ihrem guten Schlaf und einem Glas Whisky allabendlich zu verdanken, wie sie noch wenige Monate vor ihrem 100. Geburtstag am 1. Mai erklärte.

Eleganz, Charme und Koketterie gehörten zu ihren Markenzeichen. Darauf legte sie zeitlebens viel Wert. «Mir war es immer wichtig, zuerst Frau und dann Schauspielerin zu sein», erklärte Darrieux einst. Daraus, dass sie sich deshalb auch liftete, machte sie nie ein Geheimnis. Das Altern sei ein Geschenk, sagte sie 2006 dem Radiosender «franceinfo». Und fügte hinzu: Sie würde gerne mit 100 Jahren sterben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen