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Ehrengast : Frankfurter Buchmesse: Frankreich plant großen Auftritt

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Die französischsprachige Literatur ist reich und von geografischer Vielfalt. Auf die Frankfurter Buchmesse schickt das Gastland preisgekrönte Autoren - und seinen Präsidenten.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:08 Uhr

Michel Houellebecq, Yasmina Khadra, Yasmina Reza, Nancy Huston und Amélie Nothomb: große Namen, preisgekrönte Schriftsteller. Sie gehören zu den mehr als 130 Autorinnen und Autoren, die das Gastland Frankreich für die Frankfurter Buchmesse angekündigt hat.

Aber in Frankfurt soll die französische Sprache insgesamt im Vordergrund stehen - und die wird von mehr als 270 Millionen Menschen weltweit gesprochen, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Afrika, Nordamerika, Asien und dem Maghreb.

«Es gibt ein neues Bewusstsein. Französischsprachige Autoren - ob sie nun in anderen Ländern leben oder als Einwanderer in Frankreich - sind heute für die französischen Verlage sehr wichtig», sagt der Chef-Organisator des Ehrengast-Auftritts, Paul de Sinety, der Deutschen Presse-Agentur.

«Francfort en français» (Frankfurt auf Französisch) heißt der Slogan der Gäste, die im Vorfeld der Buchmesse eine Kulturoffensive angekündigt haben. Deutschlands Nachbar verknüpft mit dem Auftritt auf der internationalen Kulturbühne große Erwartungen. «Wir müssen junge Menschen in Deutschland und anderswo wieder für die französische Kultur gewinnen», sagt de Sinety. «Es gibt bei uns Migranten oder junge Autoren, die auch Deutschland viel zu sagen haben.»

Etwa 300 Veranstaltungen sind in Frankfurt geplant. In ganz Deutschland gibt es an vielen Orten - übers Jahr verteilt - weitere 400. Frankreich war bereits 1989 zu Gast auf der weltweiten Leitmesse. Mit seiner Antwort auf die erneute Einladung nach Frankfurt hat sich das Land zunächst viel Zeit gelassen. Dafür tritt es nun mit Pauken und Trompeten auf.

Mehr als 500 Übersetzungen französischer Bücher ins Deutsche werden präsentiert. Die große Bühne in Frankfurt will Frankreich konsequent nutzen. Daher hat sich auch Staatspräsident Emmanuel Macron angesagt, der die Messe gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet.

Die französische Literatur ist reich an wichtigen Strömungen und bedeutenden Schriftstellern, allen voran Houellebecq, das «Enfant terrible» der schreibenden Zunft. Seit Jahren schon nimmt er in seinen Romanen die narzisstische Konsumgesellschaft des Westens und den Islam ins Visier. In Frankfurt wird der 61-Jährige diesmal zwar ohne ein neues eigenständiges Werk gefeiert. Etwas bislang noch Unbekanntes gibt es dennoch von ihm zu entdecken. 

In «Blau Weiß Rot - Frankreich erzählt», einer Anthologie von in Frankreich lebenden Autoren, wurde «Mourir» (Sterben) veröffentlicht. Den Text hat Houellebecq als 47-Jähriger geschrieben. Publizieren wollte er ihn nie. Darin erwähnt er seine Kindheit und seine Beziehungen zu seinen Eltern; Autobiografisches, mit dem sich der Schriftsteller gewöhnlich zurückhält. 

Mit Yasmina Khadra kommt einer der erfolgreichsten Autoren Algeriens. Bevor er Ende 2000 nach Frankreich auswanderte, war er Offizier in der algerischen Armee. Sein Geburtsland, das von Korruption, Terror und Armut heimgesucht wird, steht im Mittelpunkt seiner Werke. Sein jüngst auf Deutsch erschienener Roman «Die Engel sterben an unseren Wunden» erzählt die Geschichte eines in Armut lebenden Jungen, der von einem besseren Leben träumt.

Zu den international bekanntesten französischen Autorinnen gehört Yasmina Reza. In ihren Geschichten lotet sie die Untiefen von Paarbeziehungen aus. So auch im Roman «Babylon», der Ende August erschienen ist. Ebenfalls mit Beziehungslügen, diesmal jedoch im Spannungsfeld der Familie, setzt sich die Franko-Kanadierin Nancy Huston auseinander.

Arbeitslosigkeit, Terroranschläge, Kapitalismus, Rechtspopulismus und Rassismus: Themen, mit denen sich immer mehr französischsprachige Autoren auseinandersetzen. Zu ihnen gehören die im Iran geborene Schriftstellerin und Filmemacherin Négar Djavadi sowie der 35-jährige Jean-Baptiste Del Amo. Beide werden in Frankfurt erwartet.

Insgesamt leben allein in Frankreich rund 55 000 französisch schreibende Autoren - ein bedeutender Markt. Jährlich erscheinen durchschnittlich über 75 000 Titel. Bis zu 4000 Verlage, darunter renommierte Häuser wie Gallimard, Flammarion und Seuil, aber auch zahlreiche kleinere Verlage, haben im Jahr 2015 mehr als 436 Millionen Bücher für rund 2,5 Milliarden Euro verkauft.

Buchmesse Frankfurt

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