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Status-Quo-Frontmann : Francis Rossi über den Brexit und Rick Parfitt

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Eigentlich hatte Status-Quo-Frontmann Francis Rossi längst in Rente gehen wollen. Nach dem Tod des Bandkollegen Rick Parfitt kam dann doch alles anders. Kurz vor seinem Auftritt beim «Wacken Open Air» gewährt der Rock-Gigant Einblicke in sein Seelenleben.

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erstellt am 02.Aug.2017 | 10:13 Uhr

Den Musik-Olymp hat Francis Rossi längst erklommen. Nach mehr als 50 Jahren im Musikgeschäft, mehr als 100 veröffentlichten Singles sowie etlichen Live- und Studioalben muss der Frontmann der legendären Gruppe Status Quo nichts mehr beweisen.

Im Interview erzählt der 68-Jährige, was ihn trotzdem weitermachen lässt, was er vom Brexit hält und warum Frauen die besseren Problemlöser sind.

Frage: Schmeichelt es Ihnen, wenn Sie auf der Straße erkannt, nach Selfies oder Autogrammen gefragt werden?

Antwort: Wenn es passiert, nervt es mich, wenn nicht, ebenfalls (lacht). Ich bin da innerlich zerrissen.

Frage: 1966 hatten Sie ihren ersten Plattenvertrag in der Tasche. Heute können Bands online berühmt werden und ihre Musik auf Plattformen wie «Youtube» oder «Soundcloud» verbreiten. Schöne neue Welt?

Antwort: Erst fand ich das toll. Aber am Ende ist es wie im Supermarkt. Da gibt es so eine gigantische Auswahl an Müsli, dass man sich für keins mehr bewusst entscheiden kann. Das macht der Kapitalismus mit allem: übertreiben, bis die Dinge ihre Besonderheit verlieren. So war es auch mit dem ersten Plattenvertrag. Es war so wichtig, ihn zu bekommen. Als wir ihn dann hatten, stand auf den Postern «Recording Artist» und es gab ein bisschen mehr Geld. Ein Ziel zu erreichen, ist nicht annähernd so spannend wie das Hoffen darauf. Das fasst für mich das ganze Leben gut zusammen.

Frage: Klingt ernüchtert.

Antwort: Als ich jung war, habe ich nur an die Zukunft gedacht. Die Luft war schlecht, das Geld knapp. Allein schon deshalb musste die Zukunft fantastisch werden. Und dann kommst du in dieser fabelhaften Zukunft an und schaust dich ratlos um.

Frage: Am Donnerstag spielen Sie in Wacken. 75 000 Metalheads fluten eine Kleinstadt mit etwa 1800 Einwohnern.

Antwort: Dass wir da zwischen den ganzen Schreihälsen auftreten, führt mir noch einmal vor Augen, dass ich ein Popmusiker bin. Ich mag Pop, Country, Blues: Musik, zu der man singen kann. Die Idee, sich auf die Bühne zu stellen und zu grunzen: Dahinter stehen Männer, die von ihren Geschlechtsteilen gesteuert werden. Das ist Imponiergehabe.

Frage: Typisch männlich?

Antwort: Wir Männer haben einfach unglaubliche Probleme. Also wenn wir eine Gruppe von Frauen hier versammeln, die ein Problem lösen sollen, dann geht es reihum. Bitte Männer, das Problem zu lösen und sie halten erst einmal ein Treffen ab, um einen Anführer zu bestimmen. Der mit der haarigsten Brust, den größten Hoden und der tiefsten Stimme wird es dann. Das bin einfach nicht ich. Aber es wird trotzdem Spaß machen, es wird vorbeigehen – und wir fahren zur nächsten Show (lacht).

Frage: Reisen zwischen Deutschland und England könnten bald komplizierter werden. Was denken Sie über den Brexit?

Antwort: Als der Brexit beschlossen wurde, waren wir gerade in Norwegen. Da habe ich auf der Bühne gesagt: Ihr seht hier eine Band, die mal europäisch war. Jeder hat gelacht. Jetzt ist das nicht mehr lustig. Das ist ein Scheiß-Riesenfehler. Ich sehe auch, dass es Probleme gibt mit der Struktur der EU. Aber ich mag die Idee, dass wir alle zusammengehören. Das ist schließlich ein Projekt für die Zukunft, für etwas, das wir in 60, 70 oder 100 Jahren sein wollen. 

Frage: Sie haben irische und italienische Vorfahren. Welchen Bezug haben Sie zu ihrer Abstammung?

Antwort: Bis ich sieben war, war ich Italiener. Wenn ich heute die Sprache spreche, muss ich in Gedanken erst aus dem Englischen übersetzen. Meine Großmutter hat immer auf Italienisch über die «dummen Briten» geschimpft. Wir alle wachsen mit Rassismus auf, auch wenn wir es gar nicht merken. Im irischen Teil der Familie hatten alle eine große Klappe, wie ich, und versuchten immer lustig zu sein. 

Frage: Pasta oder Irish Stew?

Antwort: (Lacht) Ganz klar, Pasta! Irish Stew ist scheiße.

Frage: Nach der Tour im vergangenen Jahr wollten Sie eigentlich in Rente gehen. Was ist passiert?

Antwort: Wir waren unterwegs und zwischendrin ist Rick Parfitt gestorben. Schließlich wurde er durch Richie Malone ersetzt und die ganze Konstellation hat sich geändert: wer wo auf der Bühne steht, aber nicht nur das. Es hat sich etwas in der Band geändert. Und jetzt sitze ich hier und genieße es. Ich hatte nicht erwartet, es zu genießen, weil ja alles zur Normalität wird. Rick hat da immer drunter gelitten.

Frage: Wenn Sie sich dann doch einmal zur Ruhe setzen, trifft man Sie dann beim Angeln oder Bergwandern?

Antwort: Ich glaube, ich würde nichts machen. Aber weil ich ein Studio zuhause habe, wird daraus nichts. Das habe ich gerade erst gemerkt. Nach einer Akustik-Show hat mich eine Frau gefragt, ob ich Country mag. Nach dem Gespräch habe ich realisiert, dass sie etwas mit mir schreiben wollte. Das haben wir gemacht. Irgendwann hat mich mein Manager angerufen, der davon Wind bekommen hatte. Und jetzt bin ich mit einem Album beschäftigt, das irgendwann nächstes Jahr erscheint. Wie ich dahin gekommen bin? Keine Ahnung. Ich hatte mir ja gerade erst gesagt, dass ich müde bin und alt (lacht).

Frage: Vermissen Sie Rick Parfitt manchmal?

Antwort: Alles, was zwischen uns war, haben wir miteinander besprochen. Außenstehende werden unsere Beziehung nie verstehen. Er ist nicht mehr da, wir vermissen ihn. Aber so ist das Leben.

ZUR PERSON: Francis Rossi wurde am 29. Mai 1949 in London geboren und ist der Frontmann der Rockgruppe Status Quo. Seine erste Band «The Spectres» gründete Rossi 1962 als Schüler. Mit Status Quo ist er seit mehr als 50 Jahren erfolgreich.

03.08.2017 Wacken - Wacken Open Air 2017,04.08.2017 Schwetzingen - Schlossgarten, Akustik-Konzerte: 18.11.2017 Regensburg - Donau-Arena, 21.11.2017 Bielefeld - Stadthalle, 22.11.2017 Hannover - Kuppelsaal

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