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Tod mit 90 : Filmregisseur Egon Günther gestorben

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Einst lockte er Lilli Palmer für «Lotte in Weimar» in den Osten vor die Kamera - später ging Egon Günther selbst in den Westen. Im Alter von 90 Jahren starb der Filmregisseur nun in Potsdam.

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 17:02 Uhr

Der Filmregisseur und Schriftsteller Egon Günther ist tot. Er starb am Donnerstag in Potsdam nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 90 Jahren, wie der Aufbau-Verlag unter Berufung auf die Familie mitteilte.

Günther wurde in Schneeberg im Erzgebirge geboren und in der DDR mit Verfilmungen wie «Lotte in Weimar» oder «Der Dritte» bekannt. Nach Auseinandersetzungen mit der DDR-Führung arbeitete er ab Ende der 70er Jahre im Westen.

Einer seiner größten Erfolge war, dass die DDR mit «Lotte in Weimar» (1974) erstmals in Cannes bei den Filmfestspielen dabei war. Dass er für den Goethe-Film der Defa außerdem die Schauspielerin Lilli Palmer in den Osten vor die Kamera gelockt hatte, galt damals als Sensation. Das brachte dem radikalen Avantgardisten nicht nur Ansehen in der DDR, sondern auch internationale Aufmerksamkeit.

Doch mit der DDR-Führung brach Günther Schritt für Schritt. 1977 verließ er den Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR. Ein Jahr später drehte er im Westen, unter anderem eine Co-Produktion des DDR-Fernsehens mit der Schweiz. Doch der Film «Ursula» wurde nach nur einmaliger Ausstrahlung im DDR-Fernsehen im Osten verboten. Fortan arbeitete Günther nur noch in der Bundesrepublik, viel für das Fernsehen. «Seine Produktionen heben sich aus dem bundesdeutschen Fernsehalltag ab, können aber die Qualität seiner früheren Arbeiten nicht erreichen», meint die Defa-Stiftung dazu.

Nach der Wende kehrte Günther in den Osten zurück, wo er zuletzt im Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke lebte. Erst 1990 war sein Film «Wenn Du groß bist, lieber Adam» zu sehen, der 1965 entstand, aber in der DDR verboten worden war. Er handelt vom zehnjährigen Adam, der eine Lampe hat, die jeden Lügner in die Luft schweben lässt - die DDR-Führung wollte aber keine Debatten um Wahrheit und Ehrlichkeit. Eine Zeit lang unterrichtete Günther nach der Wende auch als Professor der Filmhochschule Babelsberg.

Neben seinen Filmarbeiten war Günther auch als Schriftsteller tätig. Sein letztes Buch «Die Braut» verfilmte er mit Veronica Ferres in der Titelrolle (1999). Erneut geht es bei dem Film um Johann Wolfgang von Goethe - diesmal um die Beziehung des Dichterfürsten mit dem einfachen Blumenmädchen Christiane Vulpius, einst Geliebte und später Ehefrau Goethes.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) erklärte in einer ersten Reaktion: «Einer der ganz Großen des Deutschen Kinos ist heute von uns gegangen. Auch ich persönlich empfinde Egon Günthers Tod als großen Verlust.» Noch Ende März habe er ihm zum 90. Geburtstag gratuliert. «Und jetzt hat uns der Regisseur so wichtiger Werke wie 'Lotte in Weimar' und 'Die Leiden des jungen Werthers' verlassen. Das ist ein trauriger Tag für die Landeshauptstadt, für das deutsche Kino und für all die Menschen, die mit seinen wunderbaren Filmen aufgewachsen sind.»

Defa-Stiftung zu Egon Günther

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