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Eigenwillig : Fazil Say traut sich an die Nachtstücke Chopins

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Mit den anspruchsvollen Nocturnes von Frédéric Chopin legt der türkische Pianist und Komponist Fazil Say sein erstes Album mit Werken des großen Polen vor.

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2017 | 11:25 Uhr

Fazil Say hat in Frédéric Chopin so etwas wie einen Seelenverwandten, wodurch sich ihm die Werke des Polen nahezu aufdrängen. Mit Nocturnes aus allen Schaffenphasen Chopins hat der türkische Pianist sein erstes Chopin-Album eingespielt.

Frédéric Chopin konnte 1831 nach dem Novemberaufstand der die Unabhängigkeit anstrebenden Polen nicht in seine Heimat zurückkehren. Fazil Say ist nach kritischen Äußerungen über den Islam und die Verhältnisse in der Türkei ebenfalls im eigenen Land nicht wohlgelitten. Erst vor einem Jahr war der Bürgerrechtler nach langem juristischen Tauziehen vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen worden.

Der 1970 in Ankara geborene Say hat sich mit dramaturgischem Gespür der Nocturnes angenommen, die weit mehr sind als beschauliche Serenaden. Ursprünglich zutreffend, wurde die Bezeichnung doch durch den irischen Komponisten John Field für lyrische Stücke mit verträumten Melodien geprägt. Chopins Werke stellen mit ihren technischen Schwierigkeiten einen hohen Anspruch an den Pianisten. Auch der Stil der ersten Nocturnes op. 9 befremdete den recht konservativen Iren so sehr, dass er die Musik als morbid bezeichnete.

Einfallsreich, furchtlos und nicht gerade detailversessen präsentiert Fazil Say auf «Nocturnes» (Warner Classic) seine eher speziellen Interpretationen der Nachtstücke, von denen er zwei Drittel für sein Album ausgewählt hat. Der Virtuose lässt ungestüme Expressivität zu, zieht meist aber den zurückhaltenden, sanften Ton vor, ohne ins Verzärtelte abzugleiten.

Dem türkischen Interpreten liegen die Nocturnes nicht unbedingt, sind aber durchaus ein weiteres Kleinod in seinem Schaffen. Say verfolgt eine eigenwillige Linie eher chopinfremder Klänge, die sich konsequent im Dunkel der Nacht verlieren. Interessant, aber nichts für den Puristen; da bricht das Unheimliche in seine gute Stube.

Fazil Say

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